Kinderpornos über Handy verschickt

Erstmals ist in Deutschland ein Ring von Pädophilen gesprengt worden, der Kinderpornografie per Mobiltelefon verbreitet hat. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist die Polizei zehn Tatverdächtigen auf der Spur.

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23. Januar 2009, 08:01 Uhr

Kassel/Schwerin | Elf Wohnungen und Büros von insgesamt zehn Tatverdächtigen seien in Mecklenburg-Vorpommern durchsucht worden, sagte Carol Stec, Polizeisprecherin im Schweriner Landeskriminalamt (LKA). "Dabei wurden Laptops, Handys sowie CDs und andere Datenträger beschlagnahmt", so die Sprecherin. Regionale Schwerpunkte habe es bei den Durchsuchungen im Land nicht gegeben. Mehr Angaben wollte das LKA mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen nicht machen.

Insgesamt sind die Wohnungen von 465 Verdächtigen in allen Bundesländern durchsucht worden, sagte der Leiter der "Operation Susi", Klaus Quanz, gestern in Kassel. Die meisten der mutmaßlichen Täter kommen aus Nordrhein-Westfalen (85), Bayern (76) und Niedersachsen (56). Es gab keine Festnahmen.

Die Tatverdächtigen sollen kinderpornografische Bilder und Videos nicht wie sonst zumeist üblich über das Internet, sondern über ihre Mobiltelefone per MMS (Multimedia Messaging Service) bekommen und zum Teil auch weiterverbreitet haben. "Das ist das erste MMS-Verfahren in dieser Dimension", sagte der Chef der Kriminalpolizei in Homberg/Efze, Achim Kaiser. Im hessischen Schwalm-Eder-Kreis hatten die Ermittlungen bei einem 33-Jährigen, dessen genauen Wohnort die Polizei nicht nannte, ihren Ausgang genommen.

Der geständige Mann habe Kinderpornos an fast 500 Handynummern in Deutschland geschickt, sagte Kaiser. Nach einer Razzia bei ihm habe man "in wochenlanger akribischer Arbeit" die mutmaßlichen Empfänger ermittelt und schließlich deren Wohnungen durchsucht. 644 Mobiltelefone, 321 Computer, 2197 Datenträger sowie 16282 CDs und DVDs wurden von der Polizei sichergestellt. Die Auswertung werde noch mehrere Monate dauern. In einigen Fällen habe das beschlagnahmte Beweismaterial aber schon "eindeutig als kinderpornografisch identifiziert" werden können.

Die Tatverdächtigen seien zwischen 20 und 83 Jahre alt und fast alle männlich, sagte Quanz. Es werde gegen etwa 20 Frauen ermittelt. Personen des öffentlichen Lebens seien nicht betroffen. Die Ermittlungen richteten sich bislang nur gegen die Inhaber der Mobilfunkanschlüsse. Ob die Telefone wirklich von ihnen genutzt wurden, müsse noch geklärt werden. Einige der mutmaßlichen Täter hätten schon ein Geständnis abgelegt.

Entgegen dem ausdrücklichen Wunsch der Ermittler war über die Razzien von einzelnen Medien bereits im Laufe der Woche berichtet worden. Dadurch vorgewarnte Verdächtige hätten Beweismaterial möglicherweise vernichten können, sagte der Kasseler Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung. "Inwieweit konkret Ermittlungsverfahren kaputt gemacht worden sind, können wir erst nach der Auswertung des sichergestellten Beweismaterials sagen."

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