Kinderhilfe befürchtet viel zu große Schulklassen

Rainer Becker, Chef der Kinderhilfe
Rainer Becker, Chef der Kinderhilfe

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25. November 2009, 10:39 Uhr

Schwerin | Das neue Schulgesetz in Mecklenburg-Vorpommern muss nach Ansicht der Deutschen Kinderhilfe in Teilen erneut auf den Prüfstand. Dass das Gesetz Schulleitern mehr Freiräume bei der eigenen Planung lasse, sei zwar zu begrüßen, sagte Landeschef Rainer Becker. Problematisch sei aber, dass die Schulen ihre Mittel nach der Schüler- statt nach der Klassenzahl zugeteilt bekämen. Dies berge die Gefahr wachsender Klassengrößen. Das Bildungsministerium wies derlei Befürchtungen zurück. "Es geht ja nicht darum, maximale Klassenzahlen zu haben, um ein größeres Budget zu bekommen", stellte der Büroleiter von Minister Henry Tesch (CDU), Ulf Tielking, klar.

Die Kinderhilfe vermutet, dass der zum 1. August eingeführte finanzielle Verteilungsschlüssel falsche Anreize setzt. "Die Schülerzahl an einer Vielzahl von Förderschulen wird durch mittelbar erzwungene Zusammenlegung von Klassen von bisher zwölf auf bis zu 18 Schüler je Klasse steigen", erklärte Becker.

Doch auch an den Gymnasien sei so kaum eine Verringerung der Klassengrößen auf weniger als 30 Schüler zu erreichen. Ziel müsse es sein, die Mittelverteilung so auszurichten, dass es an Gymnasien höchstens 24, an Real- und Förderschulen 20 sowie an Grund- und Hauptschulen maximal 16 Kinder pro Klasse gebe. Eine an der Gesamtschülerzahl orientierte Verwendung der Gelder sei hierfür nicht geeignet, bemängelte Becker.

Aus dem Ministerium hieß es, mehr Mittel pro Schüler bedeuteten keinesfalls mehr Schüler pro Klasse. Ganz im Gegenteil könne jeder Schüler besser gefördert werden, wenn auch die Pro-Kopf-Ausgaben stiegen. Die sogenannte schülerbezogene Mittelzuweisung sei dem bisherigen "Bandbreitenmodell" überlegen, das Ungerechtigkeiten aufgewiesen habe. "Oft teilte da der 31. Schüler die Klasse, und auf große Klassen kam nicht mehr Geld als auf kleine", erklärte Tielking. In dem neuen System werde das Geld dagegen "tatsächlich anhand des Schülerbedarfs" ausgegeben, nicht pauschal nach der Zahl der Klassen.

Zuvor war das neue Schulgesetz auch vom Landeselternrat kritisiert worden. Das Gremium forderte, die kostenlose Schülerbeförderung auch in den kreisfreien Städten gesetzlich zu regeln. Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass diese Aufgabe den Eltern und Schülern alleine überlassen wird, hatte der Landeselternrat zu Beginn des Monats auf seiner Jahresversammlung erklärt. Durch die Zusammenlegung von Schulen seien die Schulwege auch in Städten teilweise so lang, dass sie nicht mehr mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt werden können.    Laut Schulgesetz müssten lediglich die Landkreise die Schülerbeförderung organisieren. Die Forderungen des Landeselternrats werde stets mit Hinweis auf die nicht mögliche Finanzierung abgelehnt.

Das neue Schulgesetz ist im Januar 2009 vom Schweriner Landtag beschlossen worden.

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