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23. November 2017 | 23:31 Uhr

Kinder helfen beim Vertuschen und Verschleiern

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2013 | 09:23 Uhr

Seit 1990 ist das Haus der Begegnung in Neubrandenburg eine feste Adresse für Suchtkranke und ihre Angehörigen. Neben der sozialpädagogischen, psychologischen und medizinischen Suchtdiagnostik bietet die Suchthilfezen trum gGmbH Aufklärung, Rückfallprophylaxe und Selbsthilfe. Tom Skibbe, Diplompsychologe und Leiter der Beratungsstelle, gab Marlis Tautz Auskunft zum Thema Kinder und Sucht.

Welche Folgen hat es für Kinder, mit suchtkranken Eltern aufzuwachsen?

Tom Skibbe: Schwer suchtkranke Eltern können ihrer Fürsorge- und Aufsichtspflicht nicht nachkommen. Meist fehlen den Kindern Rückhalt und Unterstützung in der Familie und die Förderung, die sich bräuchten. In manchen Fällen übernehmen größere Kinder Verantwortung für jüngere Geschwister. Dabei werden sie zu Kollaborateuren in einem System von Vertuschung und Verschleierung. Sie haben ja wie alle Kinder eine enge Bindung an ihre Eltern, versuchen, sie zu decken, ihre Probleme und die mögliche eigene Vernachlässigung zu entschuldigen.

Womit kann den betroffenen Kindern und Jugendlichen geholfen werden?

Kinder brauchen verlässliche Bezugspersonen. Das können auch Personen außerhalb der Familien sein: Verwandte, Lehrer, Erziehungshelfer. Die Schwierigkeit ist natürlich, dass eine solche Hilfe von außen am besten funktioniert, wenn die Eltern dem mit Vertrauen begegnen können.

Was können Außenstehende tun, wenn sie glauben, Kinder seien in Not?

Das ist eine schwierige Frage, auf die es keine pauschale Antwort gibt. Angesichts der vielen Vorurteile in der Gesellschaft ist es für Suchtkranke sehr schwer, sich ihrer Erkrankung zu stellen. Darum begegnen sie Außenstehenden meist misstrauisch oder ablehnend. Wenn der Verdacht schwerer Kindeswohlgefährdungen besteht, sollte das Jugendamt einbezogen werden.

Wie kann eine Selbsthilfegruppe Angehörigen von Alkoholkranken helfen?

Als Erwachsene können Kinder suchtkranker Eltern in der Selbsthilfegruppe teils durch die Augen anderer, besser erkennen lernen, welchen Einfluss die Suchterkrankung der Eltern auf ihre persönliche Entwicklung genommen hat. Entsprechende Erkenntnisse tragen zu einem größeren Selbstverständnis bei, welches die Grundlage für ein Mehr an Selbstverwirklichung schafft.

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