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25. November 2017 | 05:13 Uhr

Keine Gewissheit mehr, nirgends

vom

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2013 | 07:49 Uhr

Die Welt ist einmal mehr fassungslos. Wie Menschen ihren Mitmenschen derartige Grausamkeiten antun können. Es war ein erbarmungsloser Anschlag auf friedfertige Sportler aus aller Welt in Boston.

Egal, welche Parallelen jetzt wieder gezogen werden, um zumindest eine Erklärung für den Anlass zu dieser sinnlosen Bluttat zu finden - nichts wird das Leid der Betroffenen, das Trauma der Beteiligten und den Schrecken, den der Anschlag weltweit verbreitete, lindern. Der Mensch ist des Menschen Wolf.

Zwar bemühen sich die US-amerikanischen Ermittler wie auch Politiker in aller Welt, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Keine reflexartigen Schuldzuweisungen, Bemühen um Sachlichkeit und Ergebnisoffenheit sind unverkennbar.

Nüchtern betrachtet muss allerdings die Frage erlaubt sein, warum es bei all der seit dem 9. September 2001 entwickelten Sicherheitsarchitektur und trotz der angeblich akribischen Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld des Boston-Marathon offenbar keinerlei Hinweise auf diesen Anschlag gab. Die Wirksamkeit neuer Behörden wie des US-"Heimatschutzes", die uns zahllose Filme und TV-Serien suggerieren, ist eine Illusion.

Gewiss lässt sich absolute Sicherheit nirgendwo garantieren, selbst im ausgeklügelsten und diktatorischsten Polizeistaat. Zumal in einer offenen Gesellschaft bleibt immer ein Restrisiko, angreifbar für jede Spielart von Extremismus zu sein. So sehr wir uns nun bemühen, für vergleichbare Großveranstaltungen in unserer Erlebenswelt eine solche Gefahr auszuschließen, so aussichtslos ist das Unterfangen - und so richtig wiederum.

Denn wenn wir zulassen, dass uns die Angst unser Leben, unser Verhalten diktiert, dann haben die Irren dieser Welt schon einen Sieg errungen. Wir müssen uns eingestehen, dass der Schock immer nur so lange anhält, wie angenehmere Erlebnisse das Schreckliche nicht überlagern. Wir gehen zu Konzerten, obwohl wir nie sicher sind, ob das dazu gehörige Sicherheitskonzept nicht ähnlich untauglich ist wie jenes zur Loveparade in Düsseldorf. Wir steigen in Flugzeuge, weil wir an Sehnsuchtsziele wollen. Und bei jedem Check-In fliegt die Gefahr mit, dass jemand trotz aller Kontrollen explosive Stoffe ins Luftgefährt zu schmuggeln vermochte. Je länger ein Anschlag zurückliegt, desto mehr stellen wir die Sicherheitsmaßnahmen infrage, sind sogar von ihnen genervt.

Insofern erinnert uns der Anschlag von Boston nur an eines: Dass es keine Gewissheiten mehr gibt. Auch nicht darüber, ob die Bostoner Attentäter je ihrer Strafe zugeführt werden können.

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