Keine Angst vor der großen Ikone

Marion Cotillard  wurde für ihre Verkörperung der Edith Piaf in „La Vie en Rose“ als Beste Schauspielerin ausgezeichnet.
Marion Cotillard wurde für ihre Verkörperung der Edith Piaf in „La Vie en Rose“ als Beste Schauspielerin ausgezeichnet.

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26. Februar 2008, 08:11 Uhr

Für ihre grandiose Darstellung der Edith Piaf in „La Vie en Rose“ wurde Marion Cotillard gestern als Beste Schauspielerin mit dem Oscar geehrt. Der 31-jährige Spross einer Schauspielerfamilie wurde in Deutschland durch Luc Bessons „Taxi“-Filme bekannt.
Madame Cotillard, hat es Sie eingeschüchtert, eine solche Ikone wie die Piaf darzustellen?
Ich wusste fast gar nichts über das Leben der Piaf und habe deshalb sehr viel über sie gelesen. Ich hegte eine große Bewunderung für sie, aber gleichzeitig spürte ich auch eine große Distanz. Diese Distanz galt es zunächst zu verringern, um die Rolle spielen zu können. Angst oder Panik, diese Ikone darzustellen, empfand ich überhaupt nicht.
Wie sind Sie an diese Aufgabe herangegangen? Das ist sehr schwer zu erklären, keineswegs ist es nur eine technische Sache. Es gehört zum Wesen der Schauspielerei, in sich Dinge zu suchen. Oder sie neu zu erwecken, falls man sie selbst nie erlebt hat. Man muss einen inneren Raum finden, indem sich diese Persönlichkeit, dieser Charakter entwickeln kann. Mir hat ein Film aus dem Jahre 1959 sehr geholfen, in dem Edith Piaf gegen Ende ihres Lebens mitgespielt hat. Welche Dinge aus dem Leben der Piaf haben Sie am meisten überrascht? Besonders schockiert hat mich die Tatsache, dass sie ihre große Liebe, den Boxer Marcel Cerdan, überredet hat, schneller zu ihr zu kommen. Deshalb wählt er statt der Schiffspassage den Flug, der ihn schließlich in den Tod führt. Es ist schon außerordentlich tragisch, den Mann zu verlieren, den man liebt. Aber wie kann man mit dem Bewusstsein weiterleben, ihn selbst zu der tödlichen Entscheidung überredet zu haben?Haben Sie sich Gedanken über die eigene Vergänglichkeit gemacht, wenn Sie in der Maske zu einer von Krankheit gezeichneten Frau wurden? Nein, gar nicht. Ich kam mir eher vor wie eine Figur aus dem Wachsfigurenkabinett der Madame Tussaud. Das Licht ist furchtbar in dieser kleiner Kabine, in der das Make Up aufgetragen wird. Ich brauchte eine viel höhere Stirn, ein breiter Streifen des Haaransatzes wurde mir abrasiert, die Augenbrauen ebenso. Mich sah tatsächlich das Gesicht der Piaf an und es war so völlig anders als mein eigenes. Ich habe überhaupt nicht an mich selbst gedacht. Ich habe nur geschaut, ob die Nase noch an der richtigen Stelle sitzt. Kam während der Dreharbeiten der Zeitpunkt, an dem Sie der Piaf-Lieder überdrüssig waren?Gegen Ende der Dreharbeiten konnte ich diese Musik nicht mehr gut hören. Aber das gilt nicht für alle Chansons, sondern nur für die Nummern, die ich im Film auf ein Playback singe. Ich hatte keine Überdosis Piaf, keineswegs. Merkwürdigerweise habe ich die ganzen Lieder im Nachhinein wieder entdeckt und mag sie nun sogar mehr als je zuvor. Eigenartig, aber so ist es. Warum haben Sie nicht selbst gesungen? Ich singe sehr gern, aber in diesem Film natürlich nicht. Es sollten echte Aufnahmen von Edith Piaf Verwendung finden und neue, alte Lieder, die sie damals auf der Straße gesungen hat und von denen keine Aufnahmen existieren. Diese wurden von einer anderen Sängerin eingesungen. Viele der alten Piaf-Aufnahmen waren qualitativ zu schlecht, um sie im Film zu verwenden. Auch diese wurden neu eingespielt. Ich singe nur einige Zeilen aus dem Chanson „Frou-Frou“ selbst, in einer Szene in der Bar, mit meinem Vater und dem vielen Alkohol.

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