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Dem Verfall preisgegeben : Kein Geld für Gipshaus-Denkmal

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aus dem Dach des einstigen Kleist-Theaters in Frankfurt (Oder) wachsen junge Bäume. Am Lichtspieltheater der Jugend in der Oderstadt sind Fensterscheiben kaputt, die Fassade beschmiert.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 18:07 Uhr

Aus dem Dach des einstigen Kleist-Theaters in Frankfurt (Oder) wachsen junge Bäume. Am Lichtspieltheater der Jugend in der Oderstadt sind Fensterscheiben kaputt, die Fassade beschmiert. Nicht nur in Städten dümpeln vielerorts denkmalgeschützte Bauten vor sich hin, fehlt es an Geld und Ideen für deren Nutzung. Auch auf dem platten Land finden sich für Denkmalschutz-Objekte keine Investoren, fehlt den Gemeinden das Geld zur Sanierung. Ein Beispiel sind die sogenannten Gipshäuser im Oderbruch, die seit 2005 auf dem Denkmalschutzliste stehen.

Die fünf weißen Häuser aus Gipsplatten säumen die Hauptstraße von Wulkow bei Trebnitz . In unmittelbarer Nähe des Schlosses wurden sie 1971/72 für dessen Bewohner errichtet. „Das Schloss ging an einen Betrieb, der es als Akademie nutzte“, erläutert Dietmar Müller, Bauamtsleiter im Amt Neuhardenberg. Nur noch eins der am Hang stehenden weißen Häuser ist bewohnt. An den Bauten blättert die Farbe ab. Rostige Satellitenschüsseln erinnern an frühere Bewohner, Fenster geben die Blick in leere Innenräume preis.

Saniert werden die denkmalgeschützten Bauten nicht. „Die Sanierung eines Hauses kostet 160 000 Euro. Das Geld hat die Gemeinde nicht“, stellt Müller nüchtern fest. Die Gebäude würden gesichert und erhalten, damit sie nicht weiter verfallen. Nur in dem bewohnten Haus tut sich etwas: Es erhält eine Heizung. Das ist den Bewohnern - zwei einzelne ältere Frauen - zu wenig. „Die Elektrik müsste erneuert werden, die Fenster sind undicht“, berichtet Angela Ueberschaer, deren Mutter dort wohnt. „Seit 40 Jahren wurde nichts gemacht.“

Die Elemente für die Fertigteilhäuser, eine patentierte Bauweise, wurden von der Krölpalit Baustoffwerken Kuno E. Fröhlich KG im thüringischen Krölpa hergestellt. „Es waren Versuche, die nicht in die Massenproduktion überführt wurden“, erläutert Ingetraud Senst, im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Museum für die Landkreise Märkisch-Oderland und Oder-Spree zuständig. Innerhalb des DDR-Wohnungsbauprogramms habe es immer mal Anläufe gegeben, neue Wege zu suchen. Die Häusergruppe sei im Ort sehr dominant und unterscheide sich vom traditionellen Hausbau.

Was im Märkischen auffällt, sieht in der Gegend rund um das ehemalige Gipswerk keiner mehr: Aus Gips wurden nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Bungalows, Tierarztpraxen und Kaufhallen gebaut, wie Willy Riedel berichtet, der mehr als 40 Jahre in dem Unternehmen für Absatz und Beschaffung tätig war. In einem Stadtviertel von Pößneck seien noch Gipshäuser zu finden. Das Werk existiere nicht mehr.

Dass die märkischen Gipshäuser unter Denkmalschutz stehen, kann der ehemalige Betriebsleiter von Krölpalit, Kurt Frey, nicht fassen. „Das ist mir unbegreiflich, ich bin erschrocken“, sagt der Ruheständler. Als technischer Leiter sei er damals für das Bauprojekt im Oderbruch zuständig gewesen. “Es lohnt sich nicht, sie zu erhalten.“ Das sei teuer.

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