Karriere-Killer MV: Frauen wandern ab

Jedes Jahr wandern tausende hochgebildete Frauen aus MV in Richtung Westen ab. Wer hier bleibt, muss damit rechnen, keine Karriere machen zu können. Nur 17 Prozent der Geschäftsführerposten im Land ist mit einer Frau besetzt.

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27. Februar 2008, 03:22 Uhr

Schwerin- Hätte der Vater nicht einen eigenen Handwerksbetrieb gehabt, wäre Dorin Müthel vielleicht auch nicht mehr in Schwerin. Managerinnen sind gefragt im Westen, 2001 übernahm die studierte Betriebswirtin dennoch den Dachdecker- und Zimmererbetrieb des Vaters. „Ich fühlte mich verantwortlich für die Familie und die Mitarbeiter“, begründet die 39-Jährige ihre Entscheidung.

Seitdem nennt sich Dorin Müthel geschäftsführende Gesellschafterin, zehn Handwerker – alle männlich – gehorchen ihrem Kommando. Müthel hat sich durchgesetzt in einer Männerdomäne. Eine Seltenheit in Mecklenburg-Vorpommern: Nur 17 Prozent der Geschäftsführer sind weiblich.

Die geringe Karriere-Chance treibt vor allem Studierte in Richtung alte Bundesländer. Den Grund für die selektive Frauenabwanderung hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung erforscht: In den neuen Bundesländern machten Frauen zu 50 Prozent häufiger Abitur als ihre männlichen Altersgenossen. „Es ist dringend an der Zeit, gegenzusteuern“, fordert Angela Preuß von der IHK Schwerin. „Die Unternehmen sollten sich jetzt dem Thema annehmen. Wir können es uns nicht mehr leisten, dieses Leistungspotenzial noch länger zu verschenken.“

Preuß warnt in diesem Zusammenhang vor einem gravierenden Fachkräftemangel, der auf das Land zukomme. Wichtig sei besonders dieses Jahr, in dem zwei Jahrgänge die Gymnasien des Landes verlassen. „Das ist die letzte Chance für Unternehmen, gute junge Frauen im Land zu halten“, sagt Angela Preuß mit Verweis auf die sinkenden Abiturientenzahlen in den kommenden Jahren.

In einer Studie, die heute vorgestellt werden soll, hat die IHK herausgefunden, warum sich nur 20 Prozent der Unternehmerinnen ehrenamtlich in IHK-Gremien beteiligen. Die Sorge, weniger Zeit für die Familie und das eigene Unternehmen zu haben, schreckt besonders ab. Die Karrierefrauen, die es geschafft haben, eine Familie zu gründen, haben keine Zeit übrig. Eine gut bezahlte Position in MV zu erlangen, war hart genug.

Schwacher Trost: Der Fachkräftemangel könnte es im Sinne der Frauen richten. Die drohende Ausfallgröße Babypause könnte bei der Einstellung weniger wiegen als zuletzt. Fraglich ist, ob dann noch genügend talentierte Frauen im Nordosten sind.

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