Hintergrund : Käse-Imitat, Krebse, Kinderfeste – die Details

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12. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Der Verbraucher soll nicht länger im Dunkeln tappen, wenn er beim Einkauf zu verpackten Lebensmitteln greift. Das ist das Ziel der neuen Lebensmittel-Kennzeichnung, die morgen in Kraft tritt. Detlef Drewes beantwortet diee wichtigsten Fragen.

Neue Angaben auf den Verpackungen – ist das den Kunden eigentlich wichtig?
Studien zufolge liest der Kunde intensiv die Angaben zu Inhaltsstoffen, Zutaten, Tierschutz, regionaler Herkunft und gentechnikfreier Produktion. Auch die Kalorienzahl erscheint vielen wichtig. Die Informationen werden aber von den meisten Verbrauchern noch im Geschäft genutzt, wenn sie die Ware aus dem Regal nehmen. Zuhause liest kaum noch jemand nach.

Was sind denn die entscheidenden Neuerungen?

Vereinfacht gesagt muss auf der Verpackung stehen, was drin ist. Wenn die Pizza mit Käse-Imitat belegt wurde, soll der Kunde das erfahren. Bei raffinierten pflanzlichen Ölen und Fetten reichte es bisher aus, sie als „Pflanzenöl“ oder „Pflanzenfett“ zu bezeichnen. Künftig muss auch die botanische Herkunft (also „Kokos“) angegeben werden. Zusammengeklebte Fleischstücke benötigen einen Hinweis. Wenn Nano-Technologie bei der Herstellung benutzt wurde, hat der Produzent dies anzugeben. Enthält ein Produkt Koffein, muss dies gesagt werden. Es geht also um Transparenz und Klarheit.

Allergiker sollen von den neuen Vorschriften besonders profitieren. Wieso?
Die 14 wichtigsten Bestandteile oder Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen könnten, müssen im Zutatenverzeichnis aufgeführt werden. Dazu zählen glutenhaltiges Getreide, Krebstiere, Eier, Fische, Erdnüsse, Sojabohnen, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesamsamen, Schwefeldioxid und Sulfide, Lupinen und Weichtiere. Die Stoffe sollen auch bei unverpackter Ware, die in Metzgereien oder beim Bäcker angeboten werden, für Kunden verfügbar sein.

Wenn Mütter für Kinderfeste oder andere Feiern in der Öffentlichkeit Kuchen backen, müssen sie also auch die Inhaltsstoffe auflisten?
Nein. Das ist eine von vielen Legenden, die sich um das Thema ranken. Es heißt in den Vorschriften ausdrücklich: „Der Verkauf von Lebensmitteln durch Privatpersonen“ oder „das gelegentliche Anbieten von Lebensmitteln“ ist von den Regeln ausgenommen. Auch für Wohltätigkeitsveranstaltungen sowie „Märkte auf lokaler Ebene“ gelten die Auflagen nicht.

Kann ich als Kunde künftig auch mehr Angaben über die Herkunft von Lebensmitteln bekommen?
Ja. Bei Lebensmitteln müssen generell das Herkunftsland oder der Ursprungsort genannt werden. Ab April 2015 gilt für unverpacktes oder vorverpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch eine Pflicht zur Nennung des Aufzucht- und Schlachtortes.

Warum hat man sich nicht auf ein einfach zu erkennendes Symbol wie eine Ampel verständigt?
Es gab anfangs tatsächlich viele Befürworter der Ampellösung. Doch Ernährungsexperten warnten . Wichtige Lebensmittel würden rote Stoppsignale erhalten, obwohl sie gerade wegen ihrer Nährstoffgehalte wie zum Beispiel Fett oder wegen anderer Inhaltsstoffe gesundheitsförderlich sind – das gilt unter anderem für Oliven- oder Rapsöl, Avocado, Makrele, Hering oder Nüsse. Ernährung sei zu komplex, als dass mit solchen simplen Symbolen Bewertungen ausgesprochen werden können.

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