Junghans reißt tiefe Gräben

Wie vor seiner Freistellung sitzt Hermann Junghans wieder  an seinem Dienstschreibtisch. Foto: Klawitter
Wie vor seiner Freistellung sitzt Hermann Junghans wieder an seinem Dienstschreibtisch. Foto: Klawitter

Nachdem er vier Wochen seine Ämter hatte ruhen lassen müssen, kehrte der im Fall Lea-Sophie kritisierte Dezernent Hermann Junghans (CDU) gestern wieder ins Stadthaus zurück. Der als sicher gegoltene fraktionsübergreifende Antrag zu seiner Abberufung war am Montag in der Stadtvertretung überraschend gescheitert. Während dies bei vielen Schwerinern einen Sturm der Entrüstung auslöste, sind die Gräben zwischen den gescholtenen Politikern nun tiefer denn je.

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26. Februar 2008, 10:26 Uhr

Schwerin - Als wäre nichts gewesen: CDU-Dezernent Hermann Junghans nahm am Dienstag nach vierwöchiger Zwangspause wieder seine Arbeit im Stadthaus auf. Auf dem Terminkalender ganz oben stand dabei die dienstägliche Dezernenten-Runde mit Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU). „Der Beigeordnete Junghans wird bis zum Ende seiner regulären Amtszeit im Jahr 2010 für den Bereich Soziales sowie als Leiter des Kulturbüros tätig sein“, hieß es aus der Verwaltung danach. Das Jugendamt erhalte Junghans jedoch nicht zurück.

Dass Junghans wieder im Amt ist, weil der als sicher gegoltene fraktionsübergreifende Abberufungsantrag gegen ihn am Montag in der Stadtvertretung überraschend gescheitert war, löste bei vielen Schwerinern große Empörung aus. „Unfassbar“, „Blamage“, „Schande“ – das Urteil vieler Bürger insbesondere über diejenigen Kommunalpolitiker, die teilweise sogar entgegen ursprünglich anderslautendem Bekenntnis für Junghans’ Verbleib im Amt gestimmt hatten, fiel vernichtend aus. Einig waren sich zahlreiche Anrufer in unserer Redaktion darin, dass verantwortungsvolle Politik anders aussähe.

Die Gräben weiter vertieft hat der gescheiterte Abwahlantrag auch zwischen den politischen Lagern der Stadtvertretung. Mit den Bündnisgrünen und Unabhängigen Bürgern erklärten gestern bereits zwei Fraktionen die vor dem Junghans-Votum unterzeichnete „Schweriner Erklärung“ für hinfällig. In dem Papier hatten alle Fraktionen bekräftigt, zumindest in Sachfragen wieder stärker zusammenzuarbeiten.

Dass Junghans noch einmal in sein Dienstbüro zurückkehren würde, galt lange als unwahrscheinlich. Denn der Christdemokrat war nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie im November 2007 massiv in die Kritik geraten. Die nach und nach aufgedeckten behördlichen Defizite hatte Junghans zunächst abgestritten. Neben schweren Versäumnissen in der Amtsführung wurde ihm bei der Aufklärung des Falls Lea-Sophie nicht nur schlechtes Krisenmanagement, sondern sogar der Versuch der „Verdunklung“ vorgeworfen.

Die Kritik an Junghans hatten zuerst zur Übertragung des Jugendamtes an Dezernent Wolfram Friedersdorff (Linke), dann im Januar nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) zu seiner Freistellung und zuletzt zum Abwahlantrag gegen ihn geführt, den nach Bündnisgrünen, Unabhängigen Bürgern, SPD und Linken selbst die CDU offiziell unterstützt hatte.

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