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Jürgen Herper: Stadt von Meister Bokert umzingelt

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erstellt am 09.Dez.2011 | 09:24 Uhr

Perleberg | An der Jeetze, einem Nebenfluss der Stepenitz, hat unser Leser Bernd Briese mehrere Fraßstellen an Bäumen festgestellt. Und eine Birke hat Meister Bokert, wie der Biber in der Tierfabel genannt wird, hier auch erst kürzlich gefällt. Bernd Briese mutmaßt nun, dass hier sicher ein Männchen am Werk gewesen ist, das sich einen neuen Lebensraum erschließen will.

Doch dafür möchte Jürgen Herper, Mitarbeiter der Naturwacht im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, seine Hand nicht ins Feuer legen. "Männchen und Weibchen sind ganz schwer auseinander zu halten." Natürlich gebe es Unterscheide in der Größe, doch dazu müsse man sie vergleichen können. Und auch dann sei es schwer.

Dass unser Biber erst kürzlich dieses Revier für sich entdeckt hat, auch das stimme nicht. Bereits seit längerem sei der Nager hier zuhause. Richtig sei aber, dass er ein exzellenter "Holzfäller" ist, und die Bäume immer in Richtung Wasser fallen, wie auch unser Leser beobachtet hat. Der Grund: "Die Bäume lassen sich so leichter transportieren, um sie dann systematisch auseinander zu nehmen", erläutert Jürgen Herper. Faktisch waren die Biber die ersten Flößer, fügt er schmunzelnd an.

Perleberg ist inzwischen praktisch von Biberburgen umzingelt. An der Neuen Mühle hat Meister Bokert seit langem "gesiedelt", im Eichhölzer Weg, Mitten in der Stadt an der Kleingartenanlage, unterhalb des Rieseleiwehres sowie an Jeetze und Rose.

Bereits seit 2003 beobachtet die Naturwacht im Auftrag des Landesumweltamtes die Entwicklung der Population in einem Monitoringprogramm. "Im Rahmen dessen sind wir gegenwärtig auf der Suche unterhalb von Bollbrück", so Herper. Denn man nehme an, dass sich auch hier Biber häuslich eingerichtet haben.

Offensichtlich gefällt den Nagern die Region rund um Perleberg ausgesprochen gut. "Die Population im Inland wird auch noch ansteigen", prognostiziert Herper, während die Reviere in Elbnähe alle dicht sind und es somit hier auch immer weniger Junge geben werde. "Das ist natürliche Regulation."

Auch im Inland wird es eine Stabilisierung der Reviere geben, sprich es werden keine neuen hinzu kommen, "weil ganz einfach die Nahrungsgrundlage begrenzt ist. Die Natur regelt das so, dass weniger Junge geboren werden, der Bestand somit gleich bleibend ist".

Derzeit legt sich der Biber seinen Wintervorrat an. Kronen und junge Äste werden da bevorzugt, die im Unterwasserteil der Burg gebunkert werden, in dem sie diese im Schlamm verankern, sie auf ihre Art "einwecken", so Herper. Auf der Speisekarte vom Meister Bokert ganz oben steht Weide.

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