Porträt : Joggerin und Familienmensch

In fünf Jahren von der Landrätin in Nordwestmecklenburg zur Sozialministerin

Bei einer Wahl sollte nicht das Alter entscheiden, sondern das Können. „Und das habe ich“, sagte Birgit Hesse (SPD) im April 2008 und gewann prompt haushoch die Landratswahl in Nordwestmecklenburg gegen den ehemaligen Justizminister Ulrich Born (CDU). Fünf Jahre ist das nun her, und wer das Selbstbewusstsein der damals 33-Jährigen für jugendliche Forschheit hielt, konnte sich inzwischen überzeugen, dass die SPD-Politikerin mit Herz und Verstand für ihren Kreis steht. Wohl auch deshalb erreichte sie bei den Direktwahlen nach der Kreisreform 2011 ein noch besseres Ergebnis als 2008.

Birgit Hesse hat keine Angst vor politischen Autoritäten. Darum glaubte mancher auch bis zum Schluss nicht daran, dass Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sie in die engere Wahl ziehen würde. Zu sehr hatte sie in der Finanzdebatte im Frühjahr 2013 um das 100-Millionen-Paket für die Kommunen Sellering auf die Zehen getreten. Wo andere SPD-Politiker sich vornehm zurückhielten, machte sie auch mal mit CDU-Amtskollegen gemeinsam Front, um für ihren Landkreis noch etwas herauszuholen. Das gerade imponierte Sellering, heißt es. Er liebt Widerspruch. Den wird er jetzt öfter erleben.

Allerdings hatte die Landrätin gerade wegen ihrer Verwurzelung im Kreis Nordwestmecklenburg und des erst jüngst vollzogenen Umzugs der Kreisverwaltung in die Kreisstadt auch immer betont, dass sie in Wismar bleiben wolle. „Ich bin gerne Landrätin, und ich will es auch bleiben“, ist einer ihrer Standardsätze der letzen Monate. „Ich kandidiere als Landrätin für sieben Jahre“, versprach sie vor der Wahl 2011.

Nun ist alles anders. Birgit Hesse legte eine Blitzkarriere hin. Geboren wurde sie im Februar 1975 in Elmshorn in Schleswig-Holstein. Nach dem Abitur studierte die passionierte Joggerin Rechtswissenschaften. Noch während eines Studiums an der Polizei-Führungsakademie in Münster übernahm sie die Leitung der Polizei in Wismar. Nach kurzer Zwischenstation als Verkehrsreferentin im Innenministerium wurde sie 2005 vom Landrat von Nordwestmecklenburg, Erhard Bräunig (SPD), in die Kreisverwaltung als seine Stellvertretende für Jugend und Soziales geholt. Rambow, nahe Dorf Mecklenburg, ist für sie, Tochter Anna Marie und ihren Mann zur Heimat geworden. „Die Familie ist mein Ausgleich, hier finde ich Kraft“, sagt die Ex-Landrätin.

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