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18. Oktober 2017 | 15:14 Uhr

Joey und sein Team erobern das Leben

vom

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2011 | 11:48 Uhr

Heute besuchen wir mit Britta Holtz, Kinderkrankenschwester der Helios Klinik Schwerin und in der „Pro-Fil“-Kindernachsorge tätig, eine junge Mutti in der Parchimer Weststadt. Neubau, zwei Treppen hoch, dort sind wir verabredet und klingeln.
Peppi, der drollige Hund der Familie, überholt Isabell noch vor der Tür und wuselt uns aufgeregt um die Beine. „Mama kommt gleich. Mein kleiner Bruder kriegt gerade ’ne frische Windel“, sagt sie und bittet uns hinein. Kaum aus den Jacken geschält, schon steht Melanie Lorenz in der Tür – glücklich strahlend. Im Arm hält sie Joey, ihren Jüngsten, der uns aus großen wachen Augen über rosigen Pausbäckchen beäugt. Seinen Brei gerade verdrückt, wartet nun ein Fläschchen Tee darauf, ausgenuckelt zu werden. Und tatsächlich nuckelt der Knirps wie ein Weltmeister.
Bis hierher war es ein langer Weg: Als Joey am 18. April in der Schweriner Helios Klinik zur Welt kommt, fehlen ihm 13 kuschelig warme Wachstumswochen im Bauch seiner Mama. Joey ist ein Frühchen, nur 991 Gramm schwer, gerade 35 Zentimeter groß. Weil die Natur machtlos war: Nach einer Infektion im zweiten Schwangerschaftsdrittel, durch die Melanie Lorenz viel Fruchtwasser verliert, ist ein Kaiserschnitt Joeys einzige Chance. Zehn Tage liegt er am Beatmungsschlauch, anschließend an der Maske, dann überwindet das kleine Kerlchen seine gefährlichen Atmungsaussetzer. Melanie Lorenz weicht ihm nicht von der Seite. „Ich war so dankbar und so froh, dass er lebte.
Wir hatten uns doch so sehr ein zweites Kind gewünscht“, erinnert sich die junge Mutti an die ersten Tage und Wochen nach Joeys Geburt. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch kein Jahr her, dass sie im fünften Monat ein Baby verloren hatte. „Ich war mit den Nerven völlig runter“, sagt die Parchimerin. Mit jedem Tag, den Joey auf der Welt ist, mit jedem Gramm, das er zunimmt, wird die 30-Jährige ruhiger.
Treten keine Komplikationen auf, können Frühchen zu ihrem errechneten Geburtstermin (Joeys war der 27.Juli) aus dem Krankenhaus entlassen werden. Joey schaffte es noch einen Monat früher: Am 28. Juni darf er nach Hause. Auf Schlag ist Melanie Lorenz ohne die Rundumbetreuung durch Schwestern, Ärzte, Physiotherapeutin… Ohne Hilfe ist sie nicht. Kinderkrankenschwester Britta Holtz von der „Pro-Fil“-Kindernachsorge steht ihr ein Vierteljahr zur Seite. Weil Joey kein „‚schwerer Fall“ ist, sich nach seinem ca. achtwöchigen Klinikaufenthalt auffallend gut entwickelt, reicht es, wenn sie einmal wöchentlich nach Parchim kommt. Genau schaut sie sich den kleinen Jungen an, wiegt ihn, misst ihn, gibt Ernährungstipps und sie unterstützt die Mutti dabei, die richtige Physiothearapie zu finden. „Die ist unerlässlich für ein Frühchen, auch wenn es sich so gut entwickelt wie Joey“, erklärt Britta Holtz, „denn nur mit speziellen Methoden lassen sich die Defizite bei Frühchen aufholen.“
Das Vierteljahr Nachsorge durch „Pro-Fil“ für Joey ist beendet, auch weil er zu den unkomplizierten Fällen zählt, sich das kleine Kerlchen seinen Weg zurück in ein schon fast wieder normales Leben erkämpft hat. „Ich bin so dankbar für diese Hilfe“, sagt Melanie Lorenz. „Egal welche Probleme ich hatte, egal was mit Joey war, auf Schwester Britta konnte ich immer zählen. Wir waren ein richtig gutes Team.“
Joey – der wohl noch bis ins Grundschulalter durch Mitarbeiter und Ärzte des Sozialpädiatrischen Zentrums Schwerin betreut wird – wiegt heute übrigens sieben Kilo und ist 65 Zentimeter groß. Er kann trinken, aufmerksam seine Umgebung beäugen, sich vom Rücken auf den Bauch drehen, plappern. Und er kann „schimpfen“. „Mama, ich will noch mehr Tee“ will wohl seine Schimpftirade am Ende unseres Besuches meinen – denn das Fläschchen hat das stramme Kerlchen mittlerweile alle gemacht.


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