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18. Oktober 2017 | 22:29 Uhr

ODEG machtlos : Jeder zweite Zug kommt zu spät

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

IHK-Studie: Länder geben zu engen Fahrplan für Regionalexpress Richtung Cottbus vor.

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 21:00 Uhr

Pendlerfrust am Bahnsteig: 8000 Fahrgäste aus Mecklenburg-Vorpommern auf dem Weg Richtung Berlin und zurück müssen sich weiter auf deutliche Verspätungen einstellen. Der von der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) betriebene Regionalexpress RE 2 Wismar-Schwerin-Ludwigslust-Wittenberg-Berlin-Cottbus ist einer Studie zufolge einer der unzuverlässigsten Züge in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte jeder zweite Zug zwischen Wismar und Cottbus Verspätungen von zwei bis 45 Minuten, in Einzelfällen sogar bis zu zwei Stunden, ermittelte die Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK) in einem gestern vorgelegten Gutachten. „Wir sind öfter unpünktlich als pünktlich“, gestand Odeg-Chef Arnulf Schuchmann gestern gegenüber unserer Zeitung ein. Auf der 389 Kilometer langen Strecke komme es immer wieder zu Verspätungen zwischen 2 und 15 Minuten. Deutschlands längste Regionalbahnlinie ist damit zugleich auch die langsamste. Die Verspätungen hätten inzwischen einen Stand erreicht, der Reisende häufig schon eine Stunde früher fahren lasse, um Anschlusszüge zu erreichen, berichtete Marcel Drews, Landeschef des Fahrgastverbandes ProBahn gestern: „Umsteiger müssen anders planen.“ Von den Verspätungen zwischen Wismar und Cottbus sind täglich etwa 26 000 Fahrgäste betroffen.

Daran wird sich vorerst kaum etwas ändern: Den Grund für die Dauerverspätungen sehen die Gutachter vor allem in den von den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gesetzten zu anspruchsvollen Fahrplanzielen. Der Fahrplan auf der Strecke sei zu eng. Er könne „nur unter Idealbedingungen von der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft eingehalten werden“, heißt es in der IHK-Studie. Vorrang für schnellere ICE-Züge zwischen Hamburg und Berlin, Engpässe im Schienennetz, Stau auf dem Gleis: Der Zeitpuffer auf der Strecke sei zu gering, um Verspätungen wieder aufzuholen, erklärte Bahnchef Schuchmann. Verspätungen an einem Streckenabschnitt würden die gesamte Linie mitgeschleppt. Die Odeg kann kaum reagieren: Der Fahrplan werde aber von den Ländern, die den Nachverkehr auf der Strecke bestellen, vorgegeben, so Schuchmann.

In den Verkehrsministerien in Schwerin und Potsdam scheint das Problem seit Jahren bekannt – Änderungen blieben bislang aus. Jetzt macht die Wirtschaft Druck. Verschiebung der Ankunfts- und Abfahrtszeiten, zusätzlicher Gleisausbau, technische Nachrüstungen an den Zügen, Teilung der langen Verbindung zwischen Wismar und Cottbus in zwei Linien: Die Kammer verlangt in einem Sieben-Punkte-Plan schnelle Korrekturen. Experten zufolge ließen sich vor allem kürzere Linien die Verspätungen schnell in den Griff bekommen. Von Wismar bis Berlin-Ostbahnhof, von Berlin-Spandau bis Cottbus: Es gebe nur wenig durchfahrende Fahrgäste, erklärte Bahnchef Schuchmann: „Mit zehn statt neun Zügen technisch machbar.“ So könnten Verspätungen besser aufgefangen werden und die Fahrgäste trotzdem ihr Ziel in Berlin erreichen, heißt es in der Studie.

Die Länder wiegeln aber offenbar ab: Zumindest Brandenburg hat gestern bei Vorlage der Studie wenig Bereitschaft signalisiert, die Strecke zu teilen, hieß es.

 

 

 

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