Experteninterview : „Jeder weiß, dass Merkel wieder antritt“

<p>Jürgen W. Falter, Parteienforscher</p>

Jürgen W. Falter, Parteienforscher

Parteienforscher Jürgen W. Falter sieht zur Bundestagswahl 2017 keine ernstzunehmende Konkurrenz für die Kanzlerin

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28. August 2016, 18:24 Uhr

Mainz Bald steht die nächste Bundestagswahl an und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat noch nicht bekanntgegeben, ob sie wieder ins Rennen geht. Über die Gründe dafür sprach Rasmus Buchsteiner mit Jürgen W. Falter, Parteienforscher an der Universität Mainz.

Angela Merkel hat immer wieder erklärt, sie werde sich zum richtigen Zeitpunkt äußern, ob sie bei der Bundestagswahl 2017  ins Rennen geht. Wie erklären Sie  die Zurückhaltung?
Falter: Das ist typisch Merkel. Sie gehört zu den Politikern, die wirklich abwarten können. Sie hat ein gutes Gespür dafür, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. 

CSU-Chef Horst Seehofer hält sich offen, ob er eine weitere Kandidatur Merkels unterstützen würde. Wäre sie ohne beschädigt?
Ich sehe nicht, weshalb sie beschädigt sein sollte.  Jeder weiß, dass sie wieder antreten wird. Deshalb kann sie auch bis ins Frühjahr warten. Gäbe es Konkurrenten, müsste sie ihren Hut früher in den Ring werfen.

Getrennte Wahlkämpfe der Unionsparteien, CDU und CSU mit  eigenen Spitzenkandidaten – wäre das ein denkbares Szenario?
Dazu wird es nicht kommen. So wie 2002 bei seiner Kandidatur klar war, dass ein Guido Westerwelle niemals Kanzler wird, so lächerlich würde es wirken, wenn es hieße, Seehofer wäre Kanzlerkandidat der CSU. Dass er nie Kanzler wird, weiß jeder, auch er.

Hätte Seehofer nicht ein Problem in den eigenen Reihen, wenn er  eine Kanzlerkandidatur Merkels unterstützen würde?
Bayern ist nicht die CSU. Und im Übrigen: Mindestens ein Drittel der CSU-Wähler würden ihr Kreuzchen bei der CDU machen, wenn sie es in Bayern könnten. Einen eigenen Bundestagswahlkampf  mit eigenen Schwerpunkten zu machen, kann für die CSU sinnvoll sein. Aber nicht gegen Merkel.

Wie stark ist die CDU auf die Stimmen der CSU aus Bayern angewiesen?
Bisher war sie es fast gar nicht, zumindest in Großen Koalitionen nicht. Im Augenblick wäre die CDU auch ohne die CSU stärkste Partei.

Nur noch 42 Prozent der Deutschen wollen eine vierte Amtszeit Angela Merkels. Was macht Sie so sicher, dass sie wieder antritt?Angela Merkel hat ein starkes Pflichtgefühl. Das sagt ihr, dass  auf der Unionsseite keiner  ist, der ein erfolgreicher Kanzlerkandidat sein könnte. Weder Ursula von der Leyen noch Thomas de Maizière hätten die Anziehungskraft und den Vertrauensbonus, über den Angela Merkel unverändert verfügt. Und sie ist nach wie vor belastungsfähig.

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