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24. November 2017 | 05:06 Uhr

Finanzen : Jede Menge Papierkram im Vorfeld

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Staat zahlte 2013 weniger Schülern und Studenten Ausbildungsförderung. Ein Experte gibt Tipps zum Bafög-Antrag.

Die Zahl der Bafög-Empfänger ist im vergangenen Jahr gesunken. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag berichtete, erhielten rund 959 000 Schüler und Studenten (Schüler: 293 000; Studenten: 666 000) Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz – das waren 2,1 Prozent weniger als 2012.

Ein Grund für den Rückgang war nach Einschätzung des Bundesamts der Elternfreibetrag von derzeit 1600 Euro netto im Monat für Elternpaare. Steige das Einkommen über diese Grenze, reduziere sich die Förderung oder falle ganz weg. Ab 2017 sei wieder mit steigenden Bafög-Empfängerzahlen zu rechnen, denn nach dem Willen der großen Koalition solle neben den Förderbeträgen der Freibetrag für die Eltern im Herbst 2016 um sieben Prozent steigen.

Fast jeder zweite Empfänger (46 Prozent) bekam den vollen Förderbetrag. Bund und Länder gaben für Bafög-Leistungen 2013 rund 3,2 Milliarden Euro aus, 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Durchschnitt erhielten geförderte Schüler monatlich 410 Euro, Studenten 446 Euro pro Person.

Dennoch: Sich um den Bafög-Antrag zu kümmern, zählt sicher nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von Studenten. Denn bevor sie Geld vom Staat bekommen, müssen sie jede Menge Papierkram erledigen. Doch die Mühe lohnt sich. Was beim Antrag zu bedenken ist, erklärt Dietrich Knopp vom Amt für Ausbildungsförderung in Berlin.

Wann müssen

angehende Studenten

den Antrag einreichen? Schulabgänger, die zum Wintersemester ihr Studium beginnen, sollten den Bafög-Antrag bald abschicken. Denn die Bearbeitung nimmt oft einige Zeit in Anspruch. Wer noch im August seinen Antrag einreicht, habe gute Chancen, im Oktober Geld zu erhalten, erklärt Knopp. Wichtig ist, den Antrag vollständig abzugeben. Bei unvollständigen und kurz vor Semesterstart eingereichten Anträgen könne es bis zu zwölf Wochen dauern, ehe die Förderung bewilligt wird.

Lässt sich Bafög schon

über das Internet

beantragen?

Das ist bei einigen Studentenwerken bereits möglich und bringt Vorteile: „Der Online-Assistent erleichtert den Antrag, da er auf vollständige Angaben achtet“, erklärt Knopp. Außerdem gebe es dabei keine Probleme mit schlecht lesbarer Handschrift. Der Antrag muss danach ausgedruckt, unterschrieben und versandt werden.

Welche Nachweise

müssen Antragsteller

erbringen?

Zum einen die Studienbescheinigung: Sie regelt, welches Bafög-Amt zuständig ist. Dazu kommen Belege für die Einkünfte der Eltern: „Hier sind deren Steuerbescheide von vor zwei Jahren einzureichen“, erläutert Knopp. Für Bafög-Anträge in diesem Jahr müssen sie also aus 2012 sein. Wer selbst versichert ist, muss einen Beleg dafür haben – das gilt vor allem für über 25-Jährige. Einzureichen ist auch ein Ausbildungsnachweis von Geschwistern, die über 16 Jahre alt sind.

Ab wann wird das Bafög gezahlt?

Die Förderung gibt es, sobald der Antrag bewilligt wurde. Das Bafög werde auch rückwirkend gezahlt, allerdings nur bis zu dem Monat, in dem der Antrag eingereicht wurde, erläutert Knopp. Wer zum Beispiel erst am 1. November die Dokumente einreicht, bekommt für den Oktober kein Geld, obwohl das Studium dann schon begonnen hatte. Die Förderspanne bewegt sich aktuell zwischen 10 und 670 Euro. Für Studenten mit Nachwuchs kommt ein Zuschlag für die Kinderbetreuung hinzu. Die Förderhöhe ist von verschiedenen Faktoren abhängig: etwa den eigenen Einkünften, den Gehältern der Eltern und dem Alter. Für einen unter 25-Jährigen, der noch daheim wohnt, liege das maximale Bafög derzeit bei 495 Euro, rechnet Knopp beispielhaft vor.

Hintergrund

Was sich ab Herbst 2016 ändern soll

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat im Juli gemeinsam mit den Fraktionsspitzen der Koalition Eckpunkte für eine Bafög-Reform vorgelegt. Sie soll im Herbst 2016 wirksam werden.

Das soll sich ändern:

• Die Förderbeträge für Studierende und Schüler steigen um sieben Prozent.

• Die Elternfreibeträge zur Berechnung der Förderung werden ebenfalls um sieben Prozent angehoben. Dadurch können nach aktueller Lohnentwicklung zusätzlich etwa 110 000 junge Menschen Förderung erhalten.

• Der Wohnzuschlag für nicht mehr im Elternhaus lebende Studierende steigt von 224 Euro auf 250 Euro.

• Die maximale monatliche Förderung steigt von 670 auf 735 Euro.

• Für jedes zu betreuende Kind gibt es einen Zuschlag von 130 Euro.

Bisher: 113 Euro für das erste Kind, 80 Euro für jedes weitere.

• Die monatliche Zuverdienstgrenze für Bafög-Empfänger wird von 400 auf 450 Euro angehoben – wie zuvor schon bei den anderen Minijobs.

• Für Bafög-Empfänger mit Sparbuch oder eigenem Vermögen steigt der Freibetrag von bisher 5200 Euro auf 7500 Euro.

• Die Förderlücke zwischen Bachelor- und Masterstudium wird zum Teil geschlossen. Die Förderung nach dem Bachelorabschluss wird beim Übergang um maximal zwei Monate verlängert.

• Das Bafög-Antragsverfahren wird erleichtert, ein Internet-Antrag soll künftig möglich sein.

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