zur Navigation springen
Neue Artikel

18. November 2017 | 11:34 Uhr

"Jede Frau sollte ihren Beruf ausüben können"

vom

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2012 | 09:31 Uhr

Zum Frauentag hat sich unsere Redakteurin Antje Wegwerth mit der Psychologin Julia Onken unterhalten, die zahlreiche psychologische Ratgeber verfasst hat und in der Schweiz ein Ausbildungsinstitut für Frauen leitet.

Frau Onken, Sie sagen, auch heute seien noch genug Frauen von dem Wahn umnachtet, ein Mann überrage alles, was eine Frau zu bieten hat.

Absolut. Es ist aber ganz wichtig, dass man unter keinen Umständen denken darf, Frauen orientieren sich einfach so am Mann. Frauen leisten zwei Drittel der Weltarbeit, bekommen aber nur zehn Prozent des Lohnanteiles. Wenn es um Geld und Macht geht, sind Frauen offensichtlich auf der Verliererinnen-Seite.

Sie empfehlen Frauen trotz dieser Widrigkeiten, ihr Leben konsequent selbst in die Hand zu nehmen.

Ja und das ist ein großes Wort. Wir müssen wissen, dass es wirklich ein ständiges Schwimmen gegen den Strom ist und wir immer wieder, jeden Tag, an den unterschiedlichsten Stellen in einen Entwertungs-Zyklus hineingeraten - manchmal ganz unbewusst. Wenn wir wissen, dass uns so etwas passieren kann, können wir achtsam sein, solchen Situationen gewahr werden und den Schalter herumdrehen.

Woran erkennt eine Frau, ob sie einen guten Partner erwischt hat?

Ich glaube, man könnte sich vieles ersparen, wenn man sich von Anfang an fragt, werde ich in meinen Gedanken und in meinen Zukunftsperspektiven ernst genommen? Sagt der Mann: "Ach komm, lass das doch", ist das abwertend. Es ist wichtig, dass der Partner das, was wir tun, mit Interesse verfolgt.

Die eigentliche Klippe in weiblichen Lebensläufen ist das Kind, sagen Sie. Was meinen Sie damit?

Eltern werden und gleichzeitig ein Liebespaar bleiben - ich glaube, das ist die größte Klippe. Mit Ankunft eines Kindes wird sich die Frau in der Regel sehr auf das Kind einstellen. Was sie oft nicht merkt: Ihr Partner kommt ihr in dieser seelischen Verbundenheit auf einmal abhanden. Aber der Partner merkt es und fühlt sich außen vor. Es geht nur, indem beide lernen, die Wünsche und Bedürfnisse dem anderen mitzuteilen und auch immer wieder dafür zu sorgen, dass man als Paar etwas unternimmt.

Der Frau wird aber noch etwas gewahr, wenn Sie ein Kind bekommt: Ihr stehen einfach nicht mehr alle Türen offen.

Da sind wir jetzt leider wirklich in der Sackgasse. Wir brauchen die strukturellen Veränderungen, dass jede Frau ihren Beruf ausüben kann und das Kind trotzdem gut versorgt weiß. Frauen können in unserer Gesellschaft nicht so durchziehen wie Männer und deshalb sitzt auf so manchem Chefposten statt einer talentierten Frau ein mittelbegabter Mann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen