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19. August 2017 | 05:49 Uhr

Jäher Zugriff am dritten Advent

vom

Berlin | Die vorweihnachtliche Ruhe im verschneiten Städtchen Johanngeorgenstadt an der deutsch-tschechischen Grenze wird am Sonntag jäh gestört: Ein Spezialeinsatzkommando des Landeskriminalamts Sachsen schlägt in einer Überraschungsaktion zu. Am frühen Morgen nehmen die Polizisten Matthias D. (36) fest. Er soll dem Zwickauer Neonazi-Trio, dem eine beispiellose Mordserie zwischen 2000 und 2006 vorgeworfen wird, geholfen haben. Matthias D. ist dringend verdächtig, im 50 Kilometer entfernten Zwickau zweimal Wohnungen angemietet zu haben - als Unterschlupf für Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, nachdem diese 1998 untergetaucht waren.

Doch mit der Festnahme war es nicht getan. Die Ermittler durchsuchten insgesamt drei Wohnungen, darunter auch die einer weiteren mutmaßlichen Unterstützerin des Terror-Trios. Möglicherweise ist es Mandy S., die laut "Spiegel" jetzt auch zum Kreis der Beschuldigten zählt, weil sie die Mitglieder der Zwickauer Zelle monatelang in der Wohnung eines Freundes in Chemnitz einquartiert haben soll.

Auch wenn bei den Ermittlungen noch viele Fragen offen sind - die vielen Puzzleteile aus den vergangenen Wochen legen nahe: Das Zwickauer Terror-Trio bekam tatkräftige Unterstützung durch einige oder sogar viele Helfer, die - wenn sie von den Mordplänen wussten - diese wohl zumindest billigend in Kauf nahmen. Gegen rund ein Dutzend Personen wird ermittelt.

Insgesamt vier mutmaßliche Unterstützer des Trios sind mit Matthias D. inzwischen gefasst. Mit Führerschein, Reisepass, angemieteten Wohnmobilen, Wohnungen, sogar Waffen und Munition sollen sie dabei geholfen haben, dass die Zelle unerkannt bleiben und im Untergrund ihre Mordserie fortsetzen konnte. Einer der Verdächtigen soll den zynischen Paulchen-Panther-Film produziert haben, in dem sich das Trio mit den Morden an neun türkischstämmigen und griechischen Kleinunternehmern sowie einer Polizistin brüstete.

Den 36-jährigen Matthias D. halten die Ermittler laut "Spiegel" für tief verstrickt. Angeblich ist er einer der mutmaßlichen Führer der Neonazi-Gruppe "Brigade Ost" aus Johanngeorgenstadt. Wenn D. wirklich Wohnungen für die mutmaßlichen Terroristen angemietet hat, dann hat er nach Ansicht der Bundesanwaltschaft dem Trio dabei geholfen, "ein Leben unter falscher Identität (zu) führen und unentdeckt die Terroranschläge verüben (zu) können".

Unklar ist immer noch, welche Rolle die rechtsextreme NPD oder einzelne jetzige und ehemalige Vertreter der Partei in dem Fall spielen. War Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des Zwickauer Trios, Anfang November noch in der Wohnung eines hohen NPD-Funktionärs, der jetzt sogar im Präsidium der Partei sitzt? Laut "FAS" soll ein Beschuldigter dies gesagt haben. Dieser NPD-Funktionär stehe weiter im Verdacht, die Zwickauer Terror-Zelle unterstützt zu haben. Wie der "Focus" schreibt, wurde Zschäpe 1999 auch von einem NPD-Justiziar kurzzeitig juristisch vertreten.

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erstellt am 11.Dez.2011 | 05:52 Uhr

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