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Bundesnachrichtendienst : Inside BND: Ein Blick hinter die Mauern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jahrzehntelang war die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes bei München geheimnisumwoben. BND-Chef Schindler zeigt jetzt das Allerheiligste

Wenn Gerhard Schindler in seinem Büro in der alten BND-Zentrale im Münchner Vorort Pullach sitzt, dürfte er sich wie im Freilichtmuseum fühlen. Der Chef des Bundesnachrichtendienstes residiert in der „Präsidentenvilla“, die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Hitler-Vertraute und NSDAP-Leiter Martin Bormann gebaut hat. Seit gut 68 Jahren haben die Chefs des deutschen Auslandsgeheimdienstes hier ein Büro, abgeschottet von der Öffentlichkeit, hinter blickdichten Mauern mit messerscharfem Stacheldraht gesichert. Tarnname: „Camp Nikolaus“, benannt nach dem Einzugsdatum der BND-Vorgänger am 6. Dezember 1947.

Eigentlich wollte der BND das Gelände schon 2008 verlassen und in den Neubau in Berlins Mitte einziehen. Doch der Umzug verzögerte sich, jetzt ist er bis 2017 geplant. Nach einem von der CSU-Landesregierung ausgehandelten „Bayern-Konzept“ sollen im südlichen Teil auf 17 Hektar auch danach mehr als 1000 Mitarbeiter der Technischen Aufklärung weiterarbeiten. Den Rest des Geländes will der Eigentümer, die Bundesrepublik, verkaufen.

60 Jahre nach seiner Gründung am 1. April 1956 hat der BND das geheimnisumwobene Gelände am Isarhochufer nun erstmals einer Handvoll Journalisten gezeigt. Das Areal war als „Siedlung Sonnenwinkel“ für die Mitarbeiter der Nazi-Partei NSDAP und deren Familien gebaut worden. Ein Streifzug durch das 68-Hektar-Gelände mit 93 Gebäuden und mehr als 2500 Mitarbeitern:

Die Präsidentenvilla: Seit Ex-Wehrmachtsgeneral Reinhard Gehlen mit seiner berüchtigten BND-Vorläuferorganisation 1947 unter CIA-Aufsicht einzog, haben hier alle Präsidenten der deutschen Auslandsspione ihr Arbeitszimmer gehabt. Wo Schindlers Büro ist, war früher Bormanns Schlafzimmer. Wie viele Gebäude in der damaligen NS-Siedlung ist die Villa im Stil dem Weimarer Gästehaus Goethes nachempfunden. Sie hatte allen damaligen Komfort – und einen großen, mit dicken Teppichen ausgestatteten Bunker. Der steht heute unter Wasser.

Die Einrichtung hat die vergangenen 80 Jahre ziemlich originalgetreu überstanden. Im Krieg wurde das Gelände nie von alliierten Bombern angegriffen.

Der Garten ist so belassen, wie er in der NS-Zeit angelegt worden war. Um den Springbrunnen stehen Bronze-Plastiken nackter Frauen, geschaffen von NS-nahen Künstlern.

Die Schulungsbaracke – Tarnname „Waldhaus“: Generationen von Spionen wurden hier durchgeschleust. Vor 1945 diente der Holzbau als Besprechungsraum der Wehrmacht. Später nutzte der BND ihn für Schulungen. Neu angeworbene Spione wurden meist in München abgeholt und nach Pullach gefahren. Durch eine Hintertür ging es hinein, mit dem obligatorischen Tarnnamen und einem Zutrittsausweis ging es später vorne auf das geheime BND-Gelände hinaus. Beim dreitägigen „Waldhauslehrgang“ wurden den Neulingen Sicherheitsthemen eingebläut.

Das Clubhaus: Ursprünglich als Kindergarten gebaut, feierten die Amerikaner – nach dem Krieg zensierte und überwachte die US-Army auf dem Gelände deutschen Briefverkehr – mit Gehlen und seinen Leuten rauschende Feste. „Hier gab's damals Cola und Torten, während draußen in den ausgebombten deutschen Städten noch gehungert wurde“, erinnert man sich beim BND. Fünf Meter unter dem Clubhaus liegt ein gut erhaltener Bunker.

Haus 110: Im 1996 fertiggestellten Hauptgebäude wird ausgewertet, was die Spione bei der Überwachung der Telekommunikation aufgefangen oder weltweit sonst wie zusammengetragen haben. Hier gibt es Räume für Besprechungen und Videokonferenzen, Verbindungen in alle Welt sind möglich. Es wird über einen Neubau nach dem Umzug nachgedacht, aus Kostengründen dürfte es aber auf eine Sanierung hinauslaufen.

IT-Rechenzentrum: Das Technikgebäude gilt quasi als „Anachronismus“, es ist das modernste Haus auf dem Gelände. Die futuristische Aluminiumverkleidung dient als Blitzschutz. Es gilt höchste Sicherheitsstufe – hier dürften große Teile der Internet-Spionage elektronisch verarbeitet werden. Herein kommt nur, wer den Check in der biome-trischen Schleuse besteht.

Bunker „Hagen“: Sechs Meter unter der Erde ist im ehemaligen „Führerbunker“ eine Schießbahn eingerichtet. Die Geheimagenten üben hier vor Kriseneinsätzen an der Pistole, genauso wie Personenschützer oder Wachleute. Batteriegespeiste Notlampen sind ein Indiz dafür, dass hinter den drei Meter dicken Außenwänden gelegentlich der Strom und damit das Licht ausfällt. Zielscheiben mit Einschusslöchern stehen in den Abstellräumen.

In einem Waffenkasten hängen eine Walther PPK – der Klassiker der Agenten-Pistolen - und eine russische Kalaschnikow an der Wand. Der BND wollte schon immer gerne wissen, wie der Gegner ausgerüstet ist.

Tierische Spione: Dass das hochgesicherte BND-Gelände nicht hermetisch abgeriegelt werden kann, zeigen Fotos von neugierig guckenden Siebenschläfern. Die Tiere haben es sich auf Rohren und Versorgungsleitungen gemütlich gemacht. Immer wieder knabbern die mausähnlichen Nager Kabel an. Kürzlich hat es selbst die Präsidentenvilla erwischt – Stromausfall. Gut 150 der Tiere leben auf dem Areal.

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