Insel ächzt unter Grímsvötn

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25. Mai 2011, 08:23 Uhr

Reykjavik | Als die Aschewolke Island wieder in Dunkelheit getaucht hatte, erinnerte sich Bauer Helgi Johannsson an die Worte einer alten Frau. 1918 hatte sie den Ausbruch am Katla miterlebt - vor einiger Zeit wünschte sie ihm: "Ich hoffe, dass Deine Generation so etwas nicht durchmachen muss." Nach dem Ausbruch des Vulkans Grímsvötn am Samstag weiß der isländische Landwirt: "So weit ich das beurteilen kann, erleben wir gerade eine solche Situation."

Flugverkehr, Tourismus, Landwirtschaft - die "Insel aus Feuer und Eis" leidet unter der Aschewolke. Die Folgen sind noch nicht genau abzusehen. Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir versprach den Isländern Unterstützung. "Wir werden alles tun, was wir können, um den Menschen zu helfen, die wegen der Eruption Schwierigkeiten haben", sagte die Politikerin.

Von der Aschewolke am stärksten betroffen ist das Gebiet südwestlich des Vulkans. Dort, wo sich die Asche Zentimeter dick auf den Boden legt. Wer längere Zeit draußenbleiben will, trägt Masken und Schutzbrillen. Ein Experte vom Meteorologischen Institut in Island hatte nach der Eruption von einem "Asche-Blizzard" gesprochen.

Johannsson hat wie so viele andere Bauern auch besonders unter den Folgen zu leiden. Denn jetzt ist seine Saison - in dieser Zeit werden Lämmer geboren. "Ich habe etwa 300 Schafe. Und jetzt auch noch 480 Lämmer", sagte er. 90 Prozent seiner Tiere seien weiter auf den Feldern. Erste Stichproben haben ergeben, dass die Asche des Grímsvötn für Tiere nicht so gefährlich ist wie jene nach anderen Ausbrüchen. Dennoch besteht Gefahr: Einige Tiere sind erstickt oder in Gräben gefallen, nachdem sie durch die Dunkelheit geirrt waren.

Sobald sich die Aschewolke verzogen hat, sollen Studenten in ihrer Ferienzeit und Arbeitslose beim Wiederaufbau helfen.

Die Tourismusbranche hat bislang keinen Anstieg an Stornierungen für den Sommer verzeichnet. Aber der teils lahmgelegte Flugverkehr habe die Pläne von Tourgruppen durchkreuzt, auf die Insel zu reisen, sagte eine Sprecherin des Reiseverkehrsamtes.

Am Rand des isländischen Riesengletschers Vatnajökull wird seit Anfang der Woche ein deutscher Wanderer vermisst. Mitten in dem Gletscher liegt auch der Vulkan Grímsvötn, der seit Samstag aktiv ist und gigantische Mengen Asche und Rauch in die Atmosphäre geschleudert hat. Die Leiterin der Rettungsmannschaften, Olöf Baldursdóttir, sagte , dass ein umfangreicher Sucheinsatz in der Nacht ergebnislos geblieben sei.

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