Rechtliche Unterschiede : Individualurlaub oder Pauschalreise?

Gymnastik im Pool eines Ferienhotels
Gymnastik im Pool eines Ferienhotels

Diese Frage stellt sich für jeden, der in diesem Jahr verreisen will. Rechtlich gibt es große Unterschiede

svz.de von
16. Juni 2016, 11:55 Uhr

Pauschalurlaub oder Individualreise? Diese Frage stellt sich jedem, der in diesem Jahr verreisen will. Rechtlich gibt es große Unterschiede. Die Reisepakete der Veranstalter bieten Sicherheit und Komfort. Wer selber bucht, ist ganz flexibel. Ein Vergleich.

Urlaub ist extrem individuell geworden. Und doch braucht es fast immer die gleichen Bausteine für eine Reise: ein Transportmittel, das den Gast an sein Ziel bringt, eine Unterkunft, einen Transfer vor Ort. Und Bus oder Auto für den, der nicht bloß an einem Ort bleiben will. Buchen lassen sich diese Bausteine alle einzeln, dank Internet ist das so einfach wie nie. Oder man wählt die klassische Paketlösung der Reiseveranstalter, die mehrere Leistungen bündeln und als ein Gesamtprodukt verkaufen – mindestens Flug, Hotel und Transfer. Beide Reiseformen haben Vor- und Nachteile.

Sicherheit: In diesem Punkt ist der Pauschalurlauber klar im Vorteil. Die Regeln des Pauschalreiserechts schützen ihn bei unliebsamen Ereignissen.

Insolvenz des Veranstalters: In diesem Fall ist der Pauschaltourist durch einen Reisesicherungsschein geschützt, den er bei der Anzahlung für die Reise ausgehändigt bekommt. Geht der Veranstalter pleite, bekommt der Kunde sein Geld zurück, erklärt Dunja Richter, Juristin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Anders der Individualtourist: Er sieht sein Geld wahrscheinlich nicht wieder, wenn die Airline oder das Hotel bankrott ist.

Flugausfall: In dieser Situation braucht der Reisende einen Ersatzflug und womöglich ein Hotelzimmer. Bei der Pauschalreise kümmert sich darum auch der Veranstalter, für den Individualtourist ist die Fluggesellschaft Ansprechpartner, erklärt Dunja Richter.

Bei renommierten Airlines wird auch ein individuell reisender Fluggast bei den üblichen Ausfällen und Verspätungen versorgt. Anders sieht es allerdings in Krisensituationen aus. Dann kümmert sich der Veranstalter um den schnellstmöglichen Rücktransport, während Individualreisende oft tagelang festsitzen und noch einmal viel Geld für Heimflug und Hotel ausgeben müssen.

Mängel im Hotel: Ein leerer Pool, Baulärm, schmutzige Zimmer – in solchen Fällen können sich Pauschalurlauber an den Reiseleiter wenden und den Mangel anzeigen. Lässt sich das Problem nicht beheben und wird der Anspruch schriftlich und fristgerecht geltend gemacht, muss der Veranstalter einen Teil des Reisepreises zurückzahlen, erläutert Richter. Wie viel, das hängt von der Schwere des Mangels ab.

Wer individuell gebucht hat, muss sich dagegen mit dem lokalen Hotelier auseinandersetzen. Im Zweifelsfall gilt zum Beispiel spanisches oder türkisches Recht.

Preis: Die Pauschalreise aus Flug und Strandhotel ist ein vergleichsweise einfaches Produkt. Familien mit Kindern kommen hier mit Veranstaltern oft günstiger weg, weil diese häufig Kinderfestpreise und andere Rabatte anbieten, hat die Zeitschrift „Clever reisen“ (Ausgabe 1/2016) am Beispiel Fuerteventura ermittelt. Kinderlose Reisende sparen dagegen häufig, wenn sie individuell buchen.

Besonders bei Fernreisen können Individualreisende deutlich sparen, wenn sie sich die Reise selbst zusammenstellen, fand die Zeitschrift „Reise & Preise“ heraus – bis zu 30 Prozent Ersparnis waren es im Test beim Reiseziel Kuba.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen