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20. November 2017 | 03:29 Uhr

In Lenzen schlummert Zeitungsschatz

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 10:20 Uhr

Auf dem Tisch vor Irmtraud Rumsch liegen 125 Jahre Prignitzer Zeitungsgeschichte. Die Lenzenerin verwahrt im Haus ihrer Großmutter einen echten Schatz: Eine Ausgabe der "Prignitzer Zeitung, Lokal-Anzeiger für Lenzen und Umgebung" vom 19. Mai 1888. Damit ist diese Zeitung noch älter als "Der Prignitzer", mit dem wir in diesem Jahr den 120. Geburtstag feiern.

Da ihre Großmutter erst 1890 geboren wurde, müsse diese Ausgabe von einer Freundin aus der Wische stammen, vermutet Irmtraud Rumsch, "Sie war viele Jahre eine gute Bekannte, war oft in diesem Haus, half unserer Familie auch als Kindermädchen." Auf dem Titelkopf des Exemplars wird der 7. Jahrgang genannt. Damit müsste die Zeitung erstmals 1881 erschienen sein. Der Abonnentenpreis betrug vierteljährlich 1 Mark und 50 Pfennige. Sie erschien jeweils dienstags, donnerstags und sonnabends, dazu gab es noch ein Sonntagsblatt gratis. Redaktion, Druck und Verlag lag in den Händen von G. Kortek, Lenzen.

Behutsam, fast liebevoll faltet Irmtraud Rumsch das gute Stück wieder zusammen. "Mich interessieren solche alten Sachen, so etwas muss ich aufheben." Das liege bei ihr auch nicht einfach so im Schrank, zwischen Büchern. "Nein", schmunzelt sie. "Diese Zeitung bewahre ich in einem Safe auf." Eines Tages werde ihre Tochter Britta all diese Sammelstücke bekommen. Sie habe ihre Mutti schon gebeten, diese bloß nicht aus der Hand zu geben.

In unserer Zeitung hatte Irmtraud Rumsch den Aufruf gelesen, uns anlässlich des 120. Geburtstages alte Exemplare zu zeigen, von persönlichen Geschichten zu erzählen, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit ihrer Heimatzeitung erlebt haben. Erst hatte sie gezögert, denn bereits zum Wittenberger Stadtfest 2005 hatte Irmtraud Rumsch an einem Wettbewerb teilgenommen. Damals suchten wir das älteste vorhandene Exemplar mit dem Titelbestandteil "Prignitzer". Der Hauptgewinn ging an Irmtraud Rumsch. Den dazugehörigen Zeitungsartikel vom 23. August hat sie selbstverständlich ebenfalls aufgehoben und für das heutige Interview herausgesucht.

Und noch mehr Zeitungsgeschichte befindet sie in ihrem Fundus. Zum Beispiel die "Lenzener Zeitung" vom 5. September 1929. Es handelt sich um eine Festzeitung anlässlich 1000 Jahre Lenzen. Wer die altdeutsche Schrift lesen kann, erfährt viel aus der Geschichte der Stadt. Beispielsweise über Onkel Schütz. Ein überzeugter Junggeselle, Ornithologe und Kakteenliebhaber. Der Stumme Stadtführer erinnert heute noch an ihn, nachzulesen am Wohnhaus in der Schulstraße 2.

Die große Elbeflut von 1888 wird in der Zeitung geschildert, ein Blick zum Nachbarort Lanz würdigt Turnvater Jahn und selbstverständlich fehlt die Geschichte der Brezeltante nicht. Ein eigener Beitrag ist dem Sedanfest gewidmet, ein Kinderfest Anfang September, bei dem es ganz viel Kaffee und Kuchen gegeben haben soll. Einmal in Erzähllaune holt Irmtraud Rumsch eine weitere Rarität hervor: Ein Programmheft zum Festumzug der 1000-Jahr-Feier, an dem 300 Personen mitwirkten, unter der Leitung von Bürgermeister Scheel.

In dem Heft werden die einzelnen Schaubilder vorgestellt. Fahnenschwinger eröffneten den Umzug. Es folgten historische Bilder über die Schlacht bei Lenzen (929), den erschlagenen Fürsten Gottschalk (1066), die Verleihung des Stadtrechts (1230) oder über die Schützengilde (1848-1929). Danach stellten sich Innungsgruppen vor, darunter Bäcker, Schmiede, Sattler und Kohlen industrie. Schulkinder beendeten den Festumzug. Irmtraud Rumsch erzählt von weiteren Stücken, die sie dank ihrer Sammelleidenschaft aufbewahrt hat. Nicht alles habe sie so kurzfristig vor unserem Interview finden können. Aber sie wolle weiterhin den "Prignitzer" lesen, der für sie seit 1963 Tageslektüre ist, dessen Lokalteil sie niemals missen möchte, genau wie zuvor ja ganz offensichtlich ihre Mutter und Großmutter Zeitungsleser waren. Und wenn wir wieder einmal einen Leseraufruf starten, beteilige sie sich gerne daran, verspricht die 70-Jährige.

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