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18. August 2017 | 16:27 Uhr

Unwetter : In der Laube vom Baum erschlagen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eines der schwersten Unwetter seit vielen Jahren kostet insgesamt sechs Menschenleben und verursacht großen Sachschaden

Über der Böschung flattert ein Absperrband, die Rettungswagen sind weggefahren. Bestatter haben im Morgengrauen die Leichen von drei Menschen weggebracht, die hier hinter der Hecke in einem Gartenhaus ums Leben kamen – erschlagen von einem Baum, den der Sturm umknickte wie ein Stöckchen. Gespenstische Szene nach dem Unwetter über Düsseldorf. Und am düster verhangenen Westhimmel zucken schon wieder Blitze.

Am gestrigen frühen Morgen sind nur wenige Menschen in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen unterwegs. Einige versuchen es zu Fuß, weil Busse und Bahnen nicht fahren. Andere kämpfen sich mit dem Auto durch Staus – alle suchen sich einen Weg durch abgebrochene Äste und herumgeflogene Gegenstände. Oft hilft es nicht – irgendwann liegt da doch der Baum, der die Fahrt stoppt.

Auch auf den Schienen geht nichts mehr: Straßenbahnen fallen aus, vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof warten viele Menschen. Weder Züge verkehren noch Ersatzbusse. Lediglich Taxis versuchen ihr Glück. Noch gegen Mittag ist die Lage bei der Deutschen Bahn angespannt.

Vor allem das Ruhrgebiet hat es bei dem Unwetter, einem der schwersten seit Jahrzehnten, erwischt. Mehrere Tote, viele Verletzte. Auch sonst sind viele betroffen: Ist das Auto noch ganz? Liegen noch alle Dachziegel? Der zerstörerische Ausbruch der Natur hat viel Unheil angerichtet. Bäume fielen auf Autos und Häuser, Keller liefen voll Wasser, Straßen wurden überflutet. 1100 Meldungen zählte allein die Feuerwehr in Essen am Morgen. Verkehrschaos allerorten. Die Einsatzkräfte kommen nicht mehr nach. Ein Leitstellen-Beamter in Düsseldorf: „Das ist hier Drama.“

Für manche ging das schon am Vorabend los. Ein Open-Air-Rockfestival in Essen wurde wegen des Unwetters abgebrochen. 15 Besucher wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Alle kamen in Krankenhäuser. Die anderen hatten große Schwierigkeiten, wieder nach Hause zu kommen. Das Rote Kreuz richtete in einer Turnhalle eine Betreuungs- und Notschlafstelle ein. Rund 200 junge Leute nutzten das Angebot, den Rest der Nacht im Trockenen zu verbringen.

Große Aufregung unmittelbar nach der Sturmwalze: „Was fotografieren Sie? Dahinten sind vielleicht Menschen unter Bäumen begraben“, ruft ein aufgeregter Passant dem Reporter zu. Nach eiligem Nachsehen Entwarnung. An Seilen aufgehängte Straßenlaternen liegen auf der Straße, daneben abgebrochene Bäume. Davor ein Linienbus. Kein Durchkommen mehr. Passagiere und Fahrer haben wohl großes Glück gehabt.

Kurioses: Nach dem Sturm am Abend liegt ein aufblasbares Planschbecken in der Garageneinfahrt. Hundert Meter muss es geflogen sein, über Häuser und Garagen hinweg. Die Besitzer sind in Holland zelten. Sie werden die Geschichte kaum glauben.

 

Wie man sich vor Gewitter schützen kann

Wo kann man am besten Schutz finden? Wo nicht? 

In einer Stadt können öffentliche Gebäude, U-Bahn-Stationen oder auch Bushäuschen Schutz bieten. Letztere  sind in der Regel am Boden verankert und somit recht sicher. Aber es gibt nicht die ideale Lösung. Parks und freie Flächen sind unsicher, bei heftigen Stürmen sind auch große Hallen nicht empfehlenswert. Fahrradfahrer sollten ihr Rad abstellen, allein schon wegen der Blitzgefahr. Hohe Türme, Masten, Überlandleitungen sollten auf jeden Fall gemieden werden. Im Auto ist man zumindest vor Blitzeinschlägen sicher.

Was passiert, wenn jemand vom Blitz getroffen wird?

Vereinzelt trifft ein Blitz Menschen. Meist dringt er in den Kopf ein und fließt in die Erde ab. Dabei kommt es zu Verbrennungen unterschiedlichen Ausmaßes sowie zu Herz- und Atemstillstand. Ein Blitzschlag kann tödlich ausgehen.

Wie kann es zu so heftigen Hitzegewittern kommen? 

Dazu müssen mehrere Bedingungen vorhanden sein. Eine wichtige Voraussetzung ist demnach eine große Temperaturdifferenz zwischen den hohen Luftschichten und dem Boden. Außerdem muss die Luftfeuchtigkeit hoch sein. Vor einem Hitzegewitter wird die feuchte Luft am Boden von der Sonne aufgeheizt, steigt nach oben und kühlt ab. In mehreren Kilometern Höhe bilden sich Wolken, in denen elektrische Spannung entsteht, die sich plötzlich entladen kann – es gewittert. Je größer der Temperaturunterschied zwischen dem Boden und den hohen Luftschichten ist, desto heftiger werde das Gewitter.

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