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23. August 2017 | 12:14 Uhr

Kirchenasyl : In der Heimat wartet der Krieg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Marianna und ihre Familie leben seit mehr als zwei Monaten im Kirchenasyl. Im August entscheidet sich, wie es weiter geht

Für Marianna war es ein Schock, als der Brief von der Ausländerbehörde kam: Sie und ihre Familie sollten Deutschland verlassen. Zurück in die Slowakei – dem Land, in dem sie das erste Mal die Europäische Union betraten. Dabei lebte die ukrainische Familie zu dem Zeitpunkt bereits seit einem Jahr in Deutschland. Ihr letzter Ausweg: Kirchenasyl.

Vor zwei Monaten besuchten wir Marianna und ihre Familie in einem kleinen Wohnort bei Bad Wilsnack. Wo genau der liegt, sollten wir nicht schreiben. Marianna hatte Angst vor der Polizei und davor, abgeschoben zu werden – zurück in die Ukraine. Wir haben noch einmal nachgefragt: Wie geht es der Familie heute?

„Wir sind noch immer in der Kirche“, sagt Marianna gleich. Doch die Situation hätte sich ein wenig gebessert. Die Familie wird inzwischen geduldet. Ob sie in Deutschland bleiben kann, wisse sie jedoch noch immer nicht. „Im August wird entschieden, ob Deutschland für uns zuständig ist. Ich hoffe, dass wir eine Aufenthaltserlaubnis bekommen“, sagt Marianna. Die Chancen sind gering. Ein Visum für Deutschland zu bekommen, war bei ihrer Flucht unmöglich. Doch hier hat Marianna Familie. In der Slowakei nicht.

23    080 Menschen wurden 2015 als Flüchtlinge hier registriert, 18  851 von ihnen stellten Asylanträge, 6000 blieben. 1200 Asylsuchende wurden abgeschoben – die Zahl steigt.

Doch Marianna hofft, dass sie bleiben kann. Im April 2014 übernahmen Separatisten die Kontrolle über die ukrainische Stadt Lugansk und riefen eine Volksrepublik aus. Lugansk, erzählt Marianna, war ihre Heimatstadt. Im Juni fielen die ersten Bomben. Von da an schlief sie mit ihrem Mann und ihren Kindern im Keller. Schließlich beschlossen sie zu fliehen.

Angekommen in MV brachte sich die Familie selbst Deutsch bei. Integrationskurse gibt es nur für Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis. Sie und ihr Mann fanden Arbeit, suchten nach einer Wohnung. Ihre große Tochter geht zur Schule. Sie ist Klassenbeste; will Zahnärztin werden. Die jüngere besucht die Vorschule. „Jetzt warten wir auf die Entscheidung: Deutschland oder Slowakei“, sagt Marianna. Die Hoffnung bleibt. „Wir sind geduldet. Verstecken müssen wir uns nicht mehr.“

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