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22. November 2017 | 10:35 Uhr

In Brandenburg mehr Kinder in Heimen betreut

vom

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2012 | 11:12 Uhr

Potsdam/Dortmund | In Brandenburg wachsen mehr Kinder in Pflegefamilien oder Heimen auf als in der Mehrheit der anderen Bundesländer. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Forschungsverbundes Deutsches Jugendinstitut an der Technischen Universität Dortmund. Unter den 30 Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen im Jahr 2009 die meisten Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien oder Heimen lebten, sind gleich fünf aus Brandenburg: Märkisch-Oderland (214,3 von 10 000 unter 18-Jährigen), Cottbus (235,3), Ostprignitz-Ruppin (246,7), Brandenburg an der Havel (249,7) und Frankfurt (Oder) (319,5). Die Oderstadt nimmt damit hinter Neumünster (377,3) und Stralsund (320,4) sogar bundesweit den dritten Platz ein.

Die totalen Zahlen klingen indes weniger schlimm: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Potsdam wurden im Jahr 2010 im Land 1890 Kinder und Jugendliche in einer Pflegefamilie betreut. 2703 Kinder und Jugendliche waren in Heimen und besonderen Wohnformen untergebracht. In beiden Betreuungsformen konstatierten die Statistiker in den zurückliegenden Jahren eine kontinuierliche Zunahme: So wurden 2007 noch 1643 Kinder und Jugendliche in Vollzeitpflege betreut, 2365 junge Menschen lebten in diesem Jahr in Heimen.

"Ausreißer" in Brandenburg ist der Landkreis Oberspreeewald-Lausitz. In der Statistik des Deutschen Jugendinstituts gehört er zu den 30 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland, in denen die wenigsten Kinder und Jugendlichen (40,4 von 10 000) außerhalb der Familie erzogen werden.

Dass vielerorts mehr Kinder aus ihren Familien genommen werden, hat nach Ansicht von Dr. Jens Pothmann von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) mit einer zunehmenden "Kultur des Hinsehens" zu tun: Dort, wo die Öffentlichkeit durch Fälle extremer Kindesvernachlässigung und -misshandlung mit Todesfolge erschüttert wurde, sei sie dafür sensibilisiert, bei Verdachtsfällen das Jugendamt einzuschalten. Die steigenden Fallzahlen in den Hilfen zur Erziehung seien darüber hinaus in Verbindung zu den sich verschlechternden sozioökonomischen Lebenslagen für Familien und den brüchiger werdenden Familienkonstellationen zu sehen, konstatieren Pothmann und seine Kollegen. Knapp 61 Prozent der Familien, die Hilfe bekommen, müssten sich ganz oder teilweise über Arbeitslosengeld II, Grundsicherung oder Sozialhilfe finanzieren. Jede zweite 2010 begonnene Hilfeleistung sei Alleinerziehenden gewährt worden.

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