Impfung nicht für alle

Anders als die saisonale Grippe befällt die Schweinegrippe vor  allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene - auch in Mecklenburg-Vorpommern. FOTO: dpa
Anders als die saisonale Grippe befällt die Schweinegrippe vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene - auch in Mecklenburg-Vorpommern. FOTO: dpa

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11. November 2009, 09:59 Uhr

SChwerin | Während in einigen Arztpraxen und Gesundheitsämtern im Land der Schweinegrippe-Impfstoff vorübergehend ausgegangen ist, breitet sich der Erreger inzwischen mit erhöhtem Tempo in MV aus, vor allem unter jungen Leuten. Laut dem Landesgesundheitsamt (LaGus) ist die Zahl der Neuinfizierten in der vergangenen Woche "sprunghaft" um 100 angestiegen, mit einem weiteren Anstieg sei zu rechenn.

Gerüchte, nach denen die neuartige Grippe inzwischen einen schwereren Verlauf nimmt, bestätigte LaGus-Sprecherin Anja Neutzling allerdings nicht. "In der Regel verliefen die bisher gemeldeten Fälle relativ mild." Nur 26 von mehr als 464 registrierten Patienten seit dem Ausbruch der Influenza mussten ins Krankenhaus gebracht werden, kein Patient starb. Allerdings: "Mit zunehmenden Fallzahlen ist auch mit einem Anstieg der Fälle mit schwererem Verlauf zu rechnen", sagte Neutzling.

Die ersten Schulen im Kreis Güstrow und im Müritzkreis hat der H1N1-Erreger Anfang dieser Woche erreicht. Dort war jeweils ein Grundschulkind positiv getestet worden, weitere Schüler und einzelne Lehrer zeigten Symptome oder waren krank gemeldet. Ob und wieviele von ihnen sich angesteckt haben, überprüfen die Ämter derzeit.

Seit die Fallzahlen so deutlich steigen, ist es mit der Impfmüdigkeit im Land offenbar vorbei. Gesundheitsämter und Arztpraxen etwa in Schwerin, Greifswald und Neubrandenburg berichteten in den vergangenen Tagen von einem enormen Ansturm, nonstop klingelnden Telefonen oder langen Wartezeiten. Unter anderem im Gesundheitsamt Schwerin, aber auch in Greifswalder Arztpraxen war der Impfstoff vorübergehend sogar ausgegangen, die Impfung nicht mehr möglich.

Apotheker im Landkreis Ludwigslust kritisieren das Verteilungssystem, das über ihre Tische geht. Sie müssen sich nach dem Impfdosenbedarf in Arztpraxen der Region erkundigen und das "Pandemrix" verteilen. Einzelne Apotheker berichten aber, sie hätten hundete Anfragen von Ärzten und bekämen diese Woche gar keinen Nachschub mehr. "Aus meiner Sicht brauchen wir dringend eine landesweite Koordinierungsstelle", sagte Apothekerin Dr. Doerte Grahlmann.

Laut dem Landesgesundheitsamt sollen heute vorerst 28 000 weitere Dosen des Serums an Gesundheitsämter und Apotheken im Land geliefert werden - wöchentlich folgend die gleiche Menge. Trotzdem gilt in MV und ganz Deutschland: Nicht jeder , der will, kann den Piekser bekommen. Daran ließ Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) gestern beim Impfgipfel in Berlin keinen Zweifel. "Wichtig ist, dass jetzt nicht jeder sofort zu den Impfstellen rennt", sagte er. Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts müsste zuerst Sicherheits- und Gesundheitspersonal geimpft werden. Dann folgten Menschen mit chronischen Krankheiten. Gesunde könnten nicht schon Ende November reihenweise geimpft werden.

Für Schwangere gibt es erstmals eine klare Ansage: Bundesweit 150 000 Dosen eines neuen Stoffs ohne Wirkungsverstärker soll es im Dezember geben. Doch auch das herkömmliche Serum soll geeignet sein - zumindest nach Absprache mit dem Arzt.

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