Ortsbeiratsvorsitzender : „Immer mehr junge Leute ziehen nach“

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Ortsbeiratsvorsitzender Peter Jänicke im Gespräch

svz.de von
26. November 2015, 14:06 Uhr

Herr Jänicke, Sie sind seit 21 Jahren Ortsbeiratsvorsitzender.

Seit wann leben Sie in Reutershagen?

Seit 1961. Immer in der gleichen Wohnung. Gewissermaßen bin ich Ureinwohner.

Was macht den Stadtteil wohnens- und lebenswert?

Die großzügige Bauweise mit vielen Grünflächen und die Nähe zum Stadtrand. Man gelangt innerhalb kürzester Zeit zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln in beide Richtungen – die Innenstadt und an den Strand. Und die vielen Kleingartenanlagen rundherum.

Wo spielt sich das Leben ab?

Die Reuterpassage ist definitiv ein Ort, an dem man Leute trifft. Viele gehen nicht nur zum Einkaufen dort hin, sondern auch um Bekannte zu sehen.

In welchen Bereichen sehen Sie noch Defizite?

Dass es so gut wie keine Gaststätten und Cafés mehr gibt, außer dem Rondell und dem China-Restaurant am Markt. Versuche, Lokale in den Gartenanlagen zu betreiben sind gescheitert, weil diese schwierig zu erreichen sind. Dadurch haben sich die Leute angewöhnt, woanders hinzufahren. Doch die Nachfrage hier im Stadtteil wäre da.

Wie gestaltet sich die Wohnungssituation im Viertel?

Aufgrund der guten Lage gibt es sehr wenig Leerstand. Immer mehr junge Leute ziehen nach. Das sehe ich durchaus positiv, da sich die Altersstruktur merkbar vermischt.

Wie beurteilen Sie die Kulturszene, Sportmöglichkeiten und das Nachtleben?

Wir haben die Kunsthalle als Anziehungspunkt für Kulturinteressierte. Seit ein paar Jahren das Moya, das Veranstaltungen für alle Altersgruppen anbietet. Natürlich liegen das Ostseestadion und die Schwimmhalle nicht mehr in Reutershagen, sind aber dennoch schnell zu erreichen. Außerdem haben wir zahlreiche Sporthallen, die nicht nur von Schulen, sondern auch im Freizeitsektor genutzt werden können. Aber Nachtleben? Sowat gift dat bi uns nich…

Wo sehen sie aktuelle Probleme im Stadtteil? Was beschäftigt die Menschen?

Ganz aktuell sind natürlich Sorgen und Ängste bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen in dem alten Gymnasium in der Bonhoefferstraße. Die Leute reagieren mit gemischten Gefühlen.

Wie positionieren Sie sich als Ortsbeirat?

Man muss das Thema sachlich und vernünftig behandeln und Notwendigkeiten einsehen. Wir rufen dazu auf, dass nicht nur kritische Bemerkungen fallen, sondern dass die neuen Bewohner möglichst schnell eingegliedert werden. Natürlich erwarten wir, dass diese auch dazu bereit sind.

Gibt es weitere Diskussionspunkte?

Den neuen Fahrplan der Rostocker Straßenbahn AG. Ab Januar sollen die Fahrten der Buslinie 25 stark reduziert werden. Gerade im Wohngebiet, in dem viele Ältere wohnen, stößt das auf Unverständnis. Außerdem ist der Zustand vieler Straßen problematisch. Ein bisschen ist schon gemacht worden, aber es gibt noch viel zu tun.

Wie sieht die Entwicklung des Stadtteils aus?

Ich vermute, das Durchschnittsalter wird immer mehr sinken. Es ziehen viele junge Familien zu. Und wir hoffen, dass die Umgestaltung des Marktes bald Formen annimmt. Wir wollen, dass der Ablauf auf dem Markt besser, effektiver und vor allem sicherer wird.

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