Im Zweifel noch gründlicher kontrollieren

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06. September 2009, 08:28 Uhr

Nachdenken ist das Mindeste, was das Urteil des Oberlandesgerichtes in Sachen Baumpflege von den Kommunen verlangt. Und selbstverständlich ist alles Mögliche zu tun, um solche Unglücksfälle mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Manche Kommune wird dabei mehr leisten müssen, als sie es schon tut.

In der Praxis ist allerdings ein "Weiter so" zu befürchten. Wenn der Landkreis nämlich meint, dass sich nichts ändere, übersieht er, dass er selbst mit im Boot sitzt. Schließlich werden auch Bäume im Kreishaus "verwaltet". Hinzu kommt die Funktion als Genehmgungsbehörde für das Fällen unsicherer Bäume. Und hier hatte der Landkreis im konkreten Fall einfach nur Glück, nicht selbst verklagt zu werden. Denn der zuständige Stadtmitarbeiter hatte nur ein Jahr vor dem Unfall die Schäden an dem Baum durchaus bereits erkannt - doch untersagte der Landkreis damals die Abnahme des Baumes. Nur weil vor dem Unglückssturz eine weitere Kontrolle durch die Stadt erfolgte, jetzt aber offenbar kein neuer Antrag zum Fällen gestellt wurde, kann sich der Landkreis formal aus dem Schneider wähnen.

Bei Lichte betrachtet, sind zur Pflege des Baumbestandes ganz offenbar höhere Aufwendungen von den Kommunen erforderlich. Eine leitende Mitarbeiterin eines Amtes im Kreis Güstrow bringt es wohl auf den Punkt: "Bisher haben wir das tatsächlich etwas vernachlässigt." Die Annahme ist sicher nicht falsch, dass sich das auf andere Kommunen übertragen ließe. Jeden Stammhals pingelig genau untersuchen, beim leisesten Verdacht ringsum graben, jedem größeren Baum mit Steigleiter in die Krone klettern - das erfordert Zeit und mithin ausreichendes, qualifiziertes Personal.

Dass der Naturschutzbund den Ball flach hält, ist aus seiner Sicht nur zu verständlich. Denn natürlich kann der Interessenvertreter von Flora und Fauna kein Interesse an all zu hektischer Betriebsamkeit in den Kommunen bei der Begutachtung von Bäumen haben. Die finanziellen Grenzen von Kommunen sind schließlich allgemein anerkannt, dort könnte man - um Kosten zu sparen - im Zweifel lieber die Axt anlegen. Die Botschaft der Richter ist ja klar: Beim leisesten Zweifel sind Gutachten einzuholen. Schließlich stimmt auch der Landkreis aus gutem Grund nicht jedem Fällantrag gleich zu.

Absolut Recht haben die Richter, wenn sie ausführen: "Der Baumkontrolleur muss … einen Pilzbefall erkennen und sodann tätig werden, ansonsten ist die Baumkontrolle von vornherein sinnlos." Das aber kostet eben.

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