Inszenierung in Hamburg : Im Zeitraffer durch die „Blechtrommel“

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31. März 2015, 11:52 Uhr

Die Inszenierung beginnt leise, die Protagonisten kommen auf die offene Bühne und hängen wortlos Wäsche auf. Am Rand etwas abseits steht wie ein Fremdkörper Oskar Matzerath, die Blechtrommel um den Hals, gespielt von Barbara Nüsse (72). Im Thalia Theater Hamburg hat am Wochenende die „Blechtrommel“ Premiere gefeiert. Regie führte Luk Perceval.

Oskar Matzerath leidet sein ganzes Leben: Ausgrenzung in der Schule, Lug und Trug der Erwachsenen, enttäuschte Lieben, die Schrecken der Nazi-Zeit, Tod der Eltern, Heimatverlust, Insasse in einer Heil- und Pflegeanstalt mit der Angst, am Ende wieder in die Welt entlassen zu werden. Barbara Nüsse spielt intensiv, ihr Trommeln als Oskar ist - bis auf wenige Ausnahmen - meist nur leise. Und von der Fähigkeit, mit lauter Stimme Glas zu zersingen, ist nur ein würgendes Krächzen geblieben. Auf der Bühne bewegen sich die Schauspieler, die häufig auch stillstehen, auf Knien oder machen einen Kopfstand. Die Inszenierung zusammen hält der Junge David Hofner, der mit seiner Kinderstimme aus dem Off die inneren Gedanken von Oskar aus dem Roman liest und so durch die Dramaturgie führt. Die Inszenierung ist eine Mischung aus Kammerspiel, Farce, illustriertem Hörspiel und theatralischer Lesung, die trotz aller Schauspiel- und Regiekunst die komplexe Strahlkraft des Romans nur zum Teil erreicht. Am Ende sitzt Oskar am Bühnenrand und wiederholt immer wieder die Erkenntnis: „Du bist schuld und du bist schuld...“.

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