Im Theater geraucht: Ermittlungen gegen Helmut Schmidt

Der Altkanzler Helmut Schmidt als bekennender Raucher
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Der Altkanzler Helmut Schmidt als bekennender Raucher

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25. Januar 2008, 05:38 Uhr

Fernsehbilder des in einem Hamburger Theater genüsslich rauchenden Altkanzlers Helmut Schmidt (SPD) haben eine Nichtraucher-Initiative aus Hessen zu einer Strafanzeige veranlasst. „Wir haben Schmidt und seine Frau Loki wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen das seit 1. Januar auch in Hamburg geltende Nichtraucherschutzgesetz angezeigt“, sagte der Vorsitzende der Initiative aus Wiesbaden, Horst Keiser am Freitag.Es ist eine Anzeige eingegangen und wir prüfen das rechtlich“, bestätigte der Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger. Ein Ermittlungsverfahren sei formal eigeleitet worden. Ob Helmut (89) und Loki (88) Schmidt eine Strafe drohe, konnte er zuerst nicht sagen. Inzwischen wurden die Ermittlungen jedoch eingestellt.

"In Deutschland kann jeder jeden anzeigen", erklärte Bagger. Deshalb konnte die Wiesbadener Initiative auch Anzeige gegen die passionierten Raucher Helmut und Loki Schmidt stellen, obwohl deren Mitglieder nicht persönlich in dem Theater anwesend waren. Die Anzeige bezieht sich auf einen Neujahrsempfang in dem Theater „Komödie Winterhuder Fährhaus“ Anfang Januar. Ein TV-Bericht darüber hatte bei den hessischen Nichtrauchern Empörung ausgelöst.

"Helmut Schmidt setzt sich seit Jahrzehnten über bestehende Rechte hinweg. Er nimmt keine Rücksicht auf die Gesundheit der anwesenden Menschen, das interessiert einen Helmut Schmidt überhaupt nicht", sagte Keiser. Auch der Theaterleiter Michael Lang wurde angezeigt - allerdings nur wegen Verstoßes gegen das Nichtraucherschutzgesetz, weil er den Eheleuten, die seit 65 Jahren miteinander verheiratet sind, das Rauchen gestattet hatte.

"Wenn wir feststellen, dass es keine Straftat ist, geben wir den Fall ab an die zuständige Ordnungsbehörde. Die muss dann ermitteln, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliegt", sagte Bagger. In Hamburg gibt es bis Ende Februar jedoch eine Übergangsfrist. Erst danach werden Raucher bei Verstößen mit einem Bußgeld ab 50 Euro zur Kasse gebeten. Eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen Raucher war auch schon vor dem nun in elf Bundesländern geltenden Rauchverbot möglich.

"Wer dann aber in Gaststätten ging, wo geraucht wurde, willigte aber selbst in eine mögliche Körperverletzung durch Passivrauchen ein", erklärte Bagger. Die Anzeige gegen die Schmidts sei ein Beispiel dafür, "womit sich Staatsanwaltschaften in Deutschland heute beschäftigen müssen."

Das Rauchen lasse er sich von niemanden verbieten, hat Schmidt einmal gesagt. Der Altkanzler ist wohl der einzige, der noch im deutschen Fernsehen rauchen darf, wie 2006 in der ARD-Sendung "Beckmann". Auch im amerikanischen Fernsehen zündet sich der 89- Jährige gerne eine seiner geliebten Mentholzigaretten an. Auf dem Hamburger SPD-Parteitag Ende Oktober 2007 hatte er sich ein Papierschiffchen als Aschenbecher gebastelt und als einziger in dem Kongresszentrum immer wieder weiße Rauchkringel ausgeblasen. Loki Schmidt hatte bei dem nun in die Diskussion geratenen Neujahrsempfang laut "Hamburger Morgenpost" gesagt: "Im Ernst: Sogar die Ärzte raten uns davon ab. Die Umstellung würde zu viel Stress für den Körper bedeuten."

Horst Keiser kritisierte, dass Schmidt auch für Raucher ein schlechtes Vorbild sei. "Viele denken, ach komm, der ist 89, so schlimm kann es gar nicht sein." Dabei werde verschwiegen, dass der Altkanzler vier Bypässe und einen Herzschrittmacher habe. "Wir gehen aber davon aus, dass unsere Anzeige nicht sehr erfolgsversprechend ist", sagte der 64-Jährige, der sich wenig Hoffnung auf weitergehende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft macht. Aber es gehe darum, ein Zeichen zu setzen, damit sich Helmut Schmidt in Zukunft mit dem Rauchen in der Öffentlichkeit zurückhält. "Wie sollen unsere Kinder und Jugendliche begreifen, dass Gesetze eingehalten werden müssen, wenn sich ein Staatsmann wie Helmut Schmidt darüber hinwegsetzt."

Helmut Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler und zuvor von 1969 bis 1972 Verteidigungsminister. Während der Hamburger Sturmflut 1962 machte er sich als damaliger Innensenator als Krisenmanager bundesweit einen Namen. Loki war früher Lehrerin und gründete später die "Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen".

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