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Hintergrund : Im Strandkorb bin ich Mensch, hier darf ich sein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Des Urlaubers liebstes Möbelstück hat viele Facetten

Mein Strandkorb ist mein Schloss - zu dieser Einstellung neigen viele Urlauber, wenn es um den besten Platz an der Sonne geht. Der Strandkorb ist der Ort seligen Dahinschlummerns, interessierten Belauschens von Gesprächen im Nachbarkorb und des Spiels „Sehen und gesehen werden“.

In den Urlaubshochburgen an der deutschen Küste gehört er dazu wie Sand am Meer, doch gibt es in den verschiedenen Bundesländern durchaus Unterschiede. So ist es in der Gemeinde Sylt die Kommune, die die Körbe anbietet. Auf Usedom oder in Cuxhaven-Duhnen in Niedersachsen dagegen stellen Privatvermieter die Strandmöbel bereit.

Auch die Preise differieren, wenn auch nicht stark. Bei etwa sieben Euro pro Tag geht es auf Rügen, Usedom und Sylt los - Frühbucherrabatte inbegriffen. Am oberen Ende findet man Preise von zwölf Euro pro Tag.

„Tischchen, Fußstütze, Armlehne“ - das müsse der klassische Korb aufweisen, sagt Andrea Güldenpfennig, in der Abteilungsleitung des Insel Sylt Tourismus-Service für Strandkorb-Vermietung zuständig.

Zwischenzeitlich wurde auf die Armlehne auch schon mal verzichtet - weil die „Bewohner“ an Format zugelegt haben. An den Körben hängt manch' Urlauber mit erstaunlicher Zuneigung. „Es gibt viele Stammgäste, denen es wichtig ist, dass sie ihren alten Korb bekommen.“

Auf Amrum werden Verliebten und Hochzeitspaaren bei der Strandkorbvermietung Boyens Spezial-Strandkörbe geboten. Die sind mit Herzchen verziert, von Hand bemalt. Mancher möchte auch unbedingt einen Korb in blau, berichtet Detlef Boyens. Im Lauf der Zeit seien die Ansprüche der Urlauber gestiegen. Sonnenschirm, zwei Tische, mehr Polsterung bietet Boyens daher an. Herz-Strandkörbe gibt es auch im Ostseebad Lübeck-Travemünde bei Anja und Norbert Babies. „Die sind beliebt für romantische Anlässe wie Ehejubiläen“, sagt Norbert Babies. Einmal habe er einen solchen Korb mitten im Winter an den Strand gekarrt, weil ein Mann seiner Angebeteten darin einen Heiratsantrag machen wollte.

Er macht einen weiteren Trend aus: XXL-Körbe für bis zu drei Erwachsene und zwölf Euro am Tag. „Die werden immer beliebter, gerade bei etwas beleibteren Gästen.“ Vermieter Marcus Bade offeriert am Timmendorfer Strand an der Ostsee einen Korb mit Sitzheizung, Licht und einer Zwölf-Volt-Steckdose, gespeist mit Wind- und Solarenergie. Geheizt wird jedoch nur in der Vor- und Nachsaison.

Noch mehr Ansprüche auch an ihren Vermieter stellen Gäste in Zinnowitz auf Usedom. „Die Gäste wollen natürlich nicht nur den Schlüssel für den Korb haben, sondern auch etwas über die Historie des Ortes erfahren“, berichtet Strandkorbvermieter Mayk Borchardt.

Mit seinem Wissen und Anekdoten betreibt er dann auch „Kundenbindung“. „Wir haben Stammgäste, die sich bereits zu Weihnachten ihren Strandkorb in der Dünenreihe reservieren - aber bitte nicht neben Familie X, Y, Z“, sagt Borchardt. „Diesen Wunsch erfüllen wir gern.“ Auf Norderney gibt es eher den Wunsch nach einem Platz in vorderster Reihe, heißt es bei der Staatsbad Norderney GmbH – „also mit unverbauter Seesicht“. Mit Vandalismus sieht sich vor allem Sylt konfrontiert – hier gehen im Sommer Sicherheitskräfte nachts die Promenade ab.

Fünf bis acht Jahre steht ein Korb dort durch. Auf Borkum, wo Vandalismus kein Thema ist, sind es acht bis zehn.

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