Im Rausch in die Notaufnahme

Die Klinik-Behandlung jugendlicher Rauschtrinker kommt die brandenburgischen Krankenkassen teuer zu stehen. Die AOK als größte Krankenkasse des Landes hat eigenen Angaben zufolge allein 2006 für derartige Klinikaufenthalte fast eine Million Euro aufbringen müssen. Die eigentliche Dramatik aber ist: Immer öfter landen Jugendliche sturzbetrunken in der Notaufnahme.

von
22. Februar 2008, 05:44 Uhr

Potdam - Im Durchschnitt geben die Krankenkassen pro Rauschtrinker 1000 Euro aus, sagt Detlef Fronhöfer von der AOK Brandenburg. Und die Tendenz Jugendlicher zu Alkoholexzessen mit Krankenhausfolgen ist in Brandenburg laut Krankenhausstatistik steigend.

Zahl der Fälle in sieben Jahren verdoppelt
Die Zahl von alkoholbedingten Klinikumsaufenthalten junger Menschen bis 25 Jahren habe sich seit 2000 nahezu verdoppelt, sagt Claus Niekrentz, Geschäftsführer der Landesstelle für Suchtfragen e.V. in Potsdam. Sein Verein hat die Statistik jetzt zusammen mit dem Landesgesundheitsamt unter dem Hinblick auf jugendlichen Alkoholkonsum ausgewertet.

Im Jahr 2000 benötigten demnach 501 Jugendliche ärztliche Hilfe nach übermäßigem Alkoholgenuss. 2005 war ein Anstieg auf 939 Fälle zu verzeichnen. „Seitdem steigen die Zahlen um mindestens zehn Prozent pro Jahr“, sagt Niekrentz. Am meisten trinken sich demnach junge Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren in den Vollrausch. Über zwei Drittel der jugendlichen Patienten nach übermäßigem Alkoholgenuss kommen aus dieser Altersgruppe. Bei den jungen Frauen lasse sich vor allem in der Altersgruppe zwischen 20 und 25 Jahren ein drastischer Anstieg um etwa 300 Prozent verzeichnen. „Die absoluten Zahlen sind mit weniger als 100 Fällen jedoch vergleichsweise gering“, sagt Niekrentz.

Während der Trend von jugendlichem Alkoholgenuss mit Krankenhausfolgen laut Niekrentz im Bundesdurchschnitt liege, nehmen die Brandenburger Männer bundesweit einen der Spitzenplätze ein.

Überdurchschnittlich viele Leberpatienten
Fast doppelt so viele Männer ab 25 Jahren landen hier mit alkoholbedingten Leberkrankheiten in den Krankenhäusern. Während in Brandenburg 110 männliche Leberpatienten auf 100 000 Einwohner kommen, sind es im restlichen Bundesgebiet 61 Personen pro 100 000 Einwohner.

Um den Negativtrend zu stoppen, sollen die Brandenburger bereits in jugendlichem Alter „den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol lernen und mehr Risikokompetenz beim Trinken entwickeln“, sagt Niekrentz. Das Land habe zusammen mit der Landesstelle für Suchtfragen mehrere Modellprojekte zur Früherkennung entwickelt, darunter die Programme „FredPlus“ und „Halt“. Darüber hinaus wurde das Hilfsangebot „Lieber schlau als blau“ ins Leben gerufen, bei dem Sozialarbeiter Jugendlichen ab 16 Jahren unter Einwilligung der Eltern kontrollierte Erfahrungen mit Alkohol ermöglichen. Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist das Projekt bereits mit Erfolg angelaufen, und die Jugendlichen können nach dem Alkoholgenuss die Wirkung der Promille auf ihr Verhalten beispielsweise bei Videoaufnahmen von sich selbst beobachten.

Zudem müssen diese Präventionsangebote dringend personell ausgebaut werden, fordert Niekrentz. „Bei allen Partnern in unserem Netzwerk fehlen Mitarbeiter, die dem Trend entgegenwirken können.“ Nur so könnten zusätzliche Anlaufstellen geschaffen werden, die sich speziell um die Probleme junger Trinker kümmern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen