Grüne Damen : Ihr wertvollstes Geschenk: Zeit

Karin Wolf (4.v.r) ist Einsatzleiterin der Grünen Damen für das Ludwigsluster Krankenhaus. Sie koordiniert die ehrenamtliche Arbeit am Stift Bethlehem und im Ludwig-Daneel-Haus.
Karin Wolf (4.v.r) ist Einsatzleiterin der Grünen Damen für das Ludwigsluster Krankenhaus. Sie koordiniert die ehrenamtliche Arbeit am Stift Bethlehem und im Ludwig-Daneel-Haus.

Zuhören, trösten, gemeinsam lachen: Grüne Damen leisten das, was im Stationsalltag am Krankenhaus oft zu kurz kommt.

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26. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Mittwochs erreicht man Rentnerin Karin Wolf zuhause nie. Mittwochs ist sie im Dienst. Als „Grüne Dame“ auf Station G. Gleich morgens streift sie sich den grünen Kittel über, geht von Zimmer zu Zimmer und bleibt, wenn jemand sie darum bittet oder ihr das Gefühl gibt, genau jetzt gebraucht zu werden. Zeit, das ist das Wichtigste, das Karin Wolf zu geben hat. „Oft reden wir mit den Patienten. Meistens aber hören wir ihnen zu“, sagt sie.

Als Karin Wolf vor neun Jahren aus dem Lehrerberuf ausschied, war klar: Sie will nicht zu hause sitzen. Sie will raus unter Menschen, etwas tun, das Sinn macht. „Die Grünen Damen waren mir damals noch gar kein Begriff, sagt sie. „Davon hatte mir eine Freundin erzählt.“

Seit fast 15 Jahren helfen in Ludwigslust die Grünen Damen dort, wo die Arbeit des Klinikpersonals aufhört. Sie lotsen neu eingewiesene Patienten vom Empfang bis auf die Station. Sie laden Telefonkarten, kaufen mal eine Zeitung, helfen beim Briefe schreiben, machen kleine Besorgungen in der Stadt, gehen mit ihnen spazieren oder begleiten sie zum Facharzt. „Die Patienten schätzen diese Hilfe sehr. Manchmal höre ich sie fragen: „Wo ist denn heute mein Grüner Engel?“, sagt Pastorin Kathrin Weiß-Zierep. Sie arbeitet am Stift Bethlehem als Seelsorgerin und koordiniert die Arbeit der Grünen Damen. Zurzeit sind 15 Frauen für das Helene-von Bülow-Klinikum ehrenamtlich im Einsatz: acht im Ludwigsluster Krankenhaus und sieben in Hagenow. „Es könnten noch viel mehr sein“, so die Pastorin. „Und auch über Grüne Herren würden wir uns freuen.“ Wichtig sei, dass man offen auf Menschen zugehen kann, Interesse für die Arbeit zeigt, aber nicht mit Neugier in die Gespräche geht. „Und: man muss robust sein“, sagt Kathrin Weiß-Zierep. „Denn so ein Krankenhausalltag ist nicht für jeden etwas.“ Einmal im Monat treffen sich die Grünen Damen mit ihrer Koordinatorin. „Wir tauschen uns aus, nehmen an Weiterbildungen teil, laden uns Referenten ein, die über Erkrankungen berichten.“ So sei der Einsatz als Grüne Dame nicht nur hilfreich für andere. Auch die Ehrenamtler selbst lernen viel dazu und wissen das Leben so noch mehr zu schätzen.

Karin Wolf hat trotz manch’ schwerer Stunde nie ans Aufhören gedacht. „Es macht mir viel Freude, anderen zu helfen“, sagt sie. Erst kürzlich habe ihr eine Krebspatientin fest die Hand gedrückt und sich bedankt für die guten Gespräche. „Wir haben schön gelacht zusammen“, sagt Karin Wolf. „Das hat uns beiden gut getan.“

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