"Ich werde langsam gesund"

Porträt Kurt Masurs von Bernhard Heisig. dpa
Porträt Kurt Masurs von Bernhard Heisig. dpa

svz.de von
17. Juli 2012, 07:08 Uhr

Leipzig | Um Kurt Masur war es nach seinem Sturz vom Podium im Pariser Théâtre des Champs-Elysées am 26. April still geworden. Im Interview mit Rolf Richter, dpa, blickt der Stardirigent auf sein Leben zurück.

Maestro, wie fühlen Sie sich?

Masur: Ich werde langsam wieder gesund!

Sie waren in Schwerin, Dresden, New York, London und Paris Chef. Am meisten verdanken Ihnen aber wohl die Leipziger in den drei Jahrzehnten mit dem Gewandhausorchester. Dort erkämpften Sie den dritten Gewandhaus-Neubau (1981) und die Rekons-truktion des Mendelssohn-Hauses. Was verbindet Sie mit diesem Komponisten?

Ab Februar 1946 habe ich in Leipzig studiert. Der schreckliche Krieg war vorbei. Wir begannen Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und anderen unter den Nazis verbotenen Komponisten zu spielen. Wir versuchten, Traditionen im Sinne des Gründers dieses Konservatoriums, an dem ja viele Gewandhausmusiker unterrichteten, auch im Konzertsaal fortzuführen. Dieser Komponist hat Bach wiederentdeckt und Schumann gefördert.

Wie ist Ihre heutige Sicht auf die friedliche Revolution von Leipzig?

Es ist nicht mehr nachvollziehbar für jene, die dies nicht miterlebt haben, was damals geschehen ist. Man kann es nicht erklären. Aber etwas ist geblieben: der Geist der Leipziger Erneuerung.

Sie gehören weltweit zu den meistgeehrten Persönlichkeiten - Ehrendoktorwürden, Preise, Orden - hinterlässt dies Stolz oder Demut?

Demut! Immer! Demut vor jedem Werk, das ich dirigiere. Meine Frau kann bestätigen, dass ich oft nicht das wähle, was erfolgversprechend ist, sondern auch jene Werke dirigiere, die das Publikum nicht auf Anhieb liebt. Deshalb ist es das Schönste, wenn es gelingt, einem Komponisten auf die Beine zu helfen.

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