"Ich werde bis zur Ankunft hierbleiben"

Aldewin BotheNuss
Aldewin BotheNuss

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12. Dezember 2010, 07:36 Uhr

Greifswald/Rostock | Adelwin Bothe ist gegen Atomstrom. Das verwundert nicht sehr, denn er ist im niedersächsischen Uelzen aufgewachsen. Die kleine Kreisstadt liegt nur einen Steinwurf vom geplanten Endlager Gorleben entfernt. "Ich habe immer die Berichte in der Zeitung gelesen. Irgendwann bin ich auch mal dort hingefahren, um meine Meinung zu äußern", sagt er.

Heute studiert der 28-Jährige an der Uni Rostock "Landeskultur und Umweltschutz" und engagiert sich im Anti-Atombündnis Nordost. Er ist dagegen, dass im Zwischenlager Nord (ZLN) in der Nähe des Seebades Lubmin Atommüll eingelagert wird. "Aber", betont er, "ich bin ja nicht einfach nur gegen Atomenergie. Es sollte Sinn und Zweck sein, in der Gesellschaft eine Art Protestkultur zu etablieren." Man muss sich eben nicht alles gefallen lassen. An diesem Wochenende rückt jedoch der bevorstehende Castor-Transport in den Fokus. "Ich werde bis zur Ankunft hierbleiben", sagt Bothe.

Bevor es wahrscheinlich in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag soweit ist, sind noch einige Aktionen des Anti-Atom-Bündnisses geplant. "So wollen sie heute "selbstgemachten Atommüll" zu Angela Merkels Wahlkreisbüro bringen. Morgen soll in Greifswald eine Demonstration mit einem antifaschistischen Hintergrund unter dem Motto "Atommül raus - Nazis abschalten" ab 20 Uhr stattfinden. Kurz vorher ist eine Lichterkette von der Europakreuzung bis Eldena geplant.

Wenn Aldewin Bothe nicht gerade in der Uni sitzt oder sich gesellschaftlich engagiert, dann singt er leidenschaftlich mit Kommilitonen im Chor. "Hauptsächlich Rock, Pop und Gospel", erzählt er.

Früher von Schulfreunden belächelt

Oder aber er sitzt an seiner Masterarbeit. "Gewässerschutz durch Drainmanagement" ist sein Thema. "Dabei geht es unter anderem um die Verbesserung der Qualität von Gewässern." Im Frühjahr wird er damit fertig sein und sein Masterstudium innerhalb der Regelstudienzeit abschließen. "Danach werde ich anfangen, mich zu bewerben. Ich hoffe, dass es irgendwie klappt, und ich in Mecklenburg-Vorpommern bleiben kann."

Als Jugendlicher wurde er häufig von Schulfreunden belächelt, weil er sich mit der Thematik Atomstrom beschäftigte. "Das ist heute nicht mehr so", betont er. "Kurz vor dem Castor-Transport im November ins Wendland haben mich sogar einige Freunde angerufen, um mir zu sagen, dass sie dieses Jahr auch dabei sein werden. Da sieht man auch, dass sich etwas getan hat." Auch in der Familie findet er viel Zustimmung. "Meine Mutter hat zwar manchmal ein bisschen Angst, wenn ich auf einer Demonstration bin oder mich an einer Aktion beteilige, aber im Grunde genommen hat sie die gleiche Meinung wie ich zum Thema Atomenergie."

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