Zülow : „Ich hatte von Politik die Nase voll“

Mittlerweile überzeugter Zülower: Volker Schulz lenkt seit 14 Jahren die kommunalen Geschicke des Dorfes.
Mittlerweile überzeugter Zülower: Volker Schulz lenkt seit 14 Jahren die kommunalen Geschicke des Dorfes.

Zülower Bürgermeister Volker Schulz verrät, warum er gern in der 154-Seelengemeinde lebt, die als ausgesprochen gastfreundlich gilt

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25. März 2018, 23:34 Uhr

Fremde werden in Zülow wie selbstverständlich von jedermann gegrüßt. Die Gemeinde mit ihren 154 Einwohnern ist zwar die kleinste im Amtsbereich Stralendorf, doch der Ort selbst wirbt mit seiner ausgesprochen großen Gastfreundlichkeit.

„Das kann ich nur bestätigen“, sagt Bürgermeister Volker Schulz, der bereits seit 14 Jahren die kommunalen Geschicke des Dorfes lenkt. Seit zwei Jahrzehnten mischt sich der 73-Jährige in die Kommunalpolitik ein und mischt sie mitunter auch auf. Denn der Ehrenamtliche setzt sich hartnäckig für die Einwohner und ihre Interessen ein, scheut auch den Gang auf Regierungsflure nicht, spürt Fördertöpfe auf und zapft sie an. Sprechstunden mag er nicht, wer ihn sprechen will, klingelt einfach an der Haustür. Beim Kaffee oder einer Flasche Bier ließen sich unbürokratisch viele Sorgen und Nöte lösen.

„Ich denke schon, dass ich bisher Etliches bewirken konnte“, sagt Schulz, der 1994 vom Schweriner Dreesch nach Zülow umsiedelte. Weil es damals günstig Bauland gab, um in der Dorfstraße ein Haus hochzuziehen. „Ich habe das Amt von Alfred Nestler übernommen, obwohl ich eigentlich von Politik die Nase voll hatte“, erinnert sich Schulz. Aber man habe ihn bekniet und so sei er Bürgermeister geworden. „Mit 82,9 Prozent bin ich gewählt worden. Dieses Vertrauen hat mich überrascht. Aber ab 2019 ist Schluss, denn ich will nicht noch mit 80 auf dem Posten rumlungern. Es gibt junge Leute, die das machen können.“


Junge Leute fehlen in Zülow

Apropos junge Leute: Das Durchschnittsalter in Zülow liege bei 50 Jahren, verrät Schulz. Eine Tatsache, die nicht sonderlich schön sei. „Wir bräuchten mehr junge Familien im Ort. Aber seit uns vor Jahren das Baugebiet versagt worden ist, leiden wir unter dem demografischen Wandel.“

Dass das alte Gutsdorf in der Nähe des Grambower Moores liegt, beschert ihm nicht nur viele Radtouristen und Wanderer, sondern auch andere Besucher. Neugierige und Alt-Zülower beispielsweise, die mal schauen wollen, was trotz gutsherrschaftlicher Vergangenheit und der massiven Kollektivierung der Land- und Forstwirtschaft in der Nachkriegszeit aus dem Landstrich geworden ist. Der Besucher entdeckt vielleicht so das Dorfgemeinschaftshaus, das für Feste gemietet werden kann, erfährt von dem seit 20 Jahren regen Dorfleben der Frauengruppe, die sich jeden Monat trifft. Oder von der aktiven Seniorentruppe, die Christel und Volker Schulz liebevoll betreuen. Seit zwei Jahren gibt es auch Yoga-Frauen und eine Würfel-Gruppe. Am 29. März soll um 18 Uhr das Osterfeuer am Dorfhaus entzündet werden. Jedes Jahr finde außerdem ein Dorffest mit gegrilltem Wildschwein statt.

„Wir haben uns unseren dörflichen Charme bewahrt. Es ist sehr friedlich hier und jeder, der uns besucht, ist gern gesehen“, betont der Dorfobere, der es nie bereut habe, wie er gesteht, einst nach Zülow seinen Lebenmittelpunkt verlegt zu haben. Und schwärmt von der wunderschönen wie denkmalgeschützten Lindenallee, die zum Ortskern führe. Dorfschmiede, ein Reiterhof und viele Tiere der Zülower Landwirte prägen den Charakter. Zwischen Zülow und Stralendorf befinden sich als stumme Zeitzeugen auch Hünengräber. Der Weg dorthin ist nicht leicht zu finden. Doch wer einen der vielen freundlichen Zülower fragt, bekommt die Strecke sicher erklärt.

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