"Ich hatte ein mulmiges Gefühl"

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin
Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin

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14. März 2013, 07:10 Uhr

Die 115 wahlberechtigten Kardinäle haben Papst Franziskus in der sixtinischen Kapelle in Rom gewählt. Mit dabei war auch der Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Kardinal Woelki, zu dessen Diözese auch weite Teile Brandenburgs und Vorpommerns gehören. "Die Wahl von Franziskus war eine Fügung durch den Geist Gottes", sagt Woelki, der über seine erste Begegnung mit dem neu gewählten Pontifex sagt: "Wir haben kurz auf Deutsch miteinander gesprochen." Benjamin Lassiwe sprach mit dem Papstwähler.

Kardinal Woelki, Sie haben am Konklave teilgenommen. Hatten Sie eigentlich Angst, selbst Papst zu werden?

Woelki: Diese Angst hatte ich nicht. Aber ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, als wir Kardinäle in die Sixtinische Kapelle einzogen. Dabei haben wir die Allerheiligenliturgie gesungen, in der die Heiligen der katholischen Kirche namentlich um ihre Hilfe angerufen werden, und sind dann vor das "Jüngste Gericht" von Michelangelo getreten. Und das Gefühl wird noch mulmiger, wenn man dann nach vorne tritt und den Eid leistet, dass man nur den wählt, den man für den Besten hält.

Wie empfanden Sie das Konklave?

Es war eine Situation von großer geistlicher Tiefe. Wir Kardinäle haben viel gebetet, es herrschte eine große Ernsthaftigkeit. Alle waren sich im Klaren über die historische Stunde, eine Umbruchssituation, in der sich die Kirche befindet. Wir haben aus diesem Geist heraus gewählt - und es war so, dass niemand schon vorher wusste, dass am Ende dieser Papst herauskommen würde.

Was bedeutet diese Wahl für die Kirche?

Die Wahl von Franziskus macht deutlich, dass wir einen Papst für die weltweite Kirche haben. In Amerika lebt heute mehr als die Hälfte aller katholischen Christen. Und ich gehe davon aus, dass der neue Papst andere Themen als sein Vorgänger in den Vordergrund stellen wird: Die Fragen der Armut, der sozialen Gerechtigkeit und der Ernährungsgerechtigkeit zum Beispiel.

Ist Rom für die Christen aus Deutschland jetzt weiter entfernt?

Rom ist uns immer nahe und wichtig. Aber der Papst kommt natürlich aus einem anderen Teil der Weltkirche und sieht die Situation deswegen vielleicht anders als jemand, der aus Deutschland stammt - auch wenn wir immer eine Möglichkeit haben werden, unsere Anliegen vorzubringen und mit ihm zu reden.

Benedikt XVI. hat eine seiner ersten Auslandsreisen in das Land seines Vorgängers, nach Polen, gemacht. Rechnen Sie mit einem baldigen Deutschlandbesuch?

Für diese Frage ist es noch zu früh. Auf jeden Fall ist Papst Franziskus in Deutschland immer willkommen - aber ich glaube, dass eine seiner ersten Auslandsreisen nach Rio de Janeiro, zum Weltjugendtag, gehen wird, der in diesem Jahr ja auch in Südamerika stattfindet.

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