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21. September 2017 | 10:46 Uhr

"Ich bin meinem Gerechtigkeitsgefühl gefolgt"

vom

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erstellt am 14.Nov.2011 | 08:51 Uhr

Schwerin | Natürlich wird er Wolf Biermann auch heute zu seinem 75. Geburtstag gra tulieren. Natürlich. Zum 70. Geburtstag hat er ihm eine Gitarre geschenkt, auf der inzwisc hen Biermann-Sohn Lucas spielt. "Bei der Party im legendären St.-Pauli-The ater in Hamburg vor fünf Jahren war ich dabei", sagt Helmuth Schmidt. Er und der berühmte Liedermacher sind Freunde geworden. Ein gemeinsames Schicksal verbindet die beiden Männer.

Wie Biermann siedelt Schmidt, 1932 in Westfalen geboren, in den 50er-Jahren aus der Bundesrepublik in die DDR über, um beim Aufbau des Sozialismus mitzuwirken. Seine ersten Jahre verbringt der gelernte Stellmacher und Zimmermann in Thüringen, später zieht er nach Parchim, heiratet 1962 seine große Liebe, gründet eine Familie. Privat und beruflich geht es für Schmidt voran, doch in politischer Hinsicht kommen ihm immer mehr Zweifel.

13. November 1976: Mit angehaltenem Atem verfolgt Schmidt im West-Fernsehen das Konzert von Wolf Biermann in Köln. "Was Biermann sagt, ist richtig, trifft die Lage in der DDR", so empfindet es Schmidt. Die Ausbürgerung des regime kritischen Künstlers will er nicht tatenlos hinnehmen. Er verteilt Flugblätter im Stadtgebiet von Parchim, kritisiert die Willkürmaßnahme der SED-Oberen.

Die Stasi kommt Schmidt auf die Schliche, der Fami lienvater wird in die Unter suchungshaftanstalt des MfS am Demmlerplatz in Schwerin gebracht. Vier Jahre Gefängnis wegen "staatsfeindlicher Het ze" lautet das Urteil des Bezirksgerichts, das das Oberste Gericht noch um ein Jahr herabsetzt. Im Juni 1978 wird Schmidt von der Bundesrepublik freigekauft und abgeschoben.

"Als ich gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann pro testiert habe, bin ich einfac h meinem Gerechtig keits gefühl gefolgt", erklärt Schmidt, der heute in Hamm in Westfalen lebt. Immer wieder würde er sich so verhalten. 1979 lernte Schmidt den Mann, für den er im Gefängnis gesessen hatte, persönlich kennen. "Verwirrende Ähnlichkeiten, entwirrende Unterschiede. Ich entdecke in seinem Schicksal verfremdet mein eigenes", sagt Wolf Biermann über seinen Freund Helmuth Schmidt.

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