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Hurrikan „Sandy“ legt öffentliches Leben lahm - Millionen betroffen

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erstellt am 29.Okt.2012 | 08:27 Uhr

Die Furcht vor Hurrikan „Sandy“ hat das öffentliche Leben an der US-Ostküste weitgehend lahmgelegt. Schon vor seinem Eintreffen wirbelte der Sturm das Leben von Millionen Menschen durcheinander. Tausende Flüge fielen aus, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. In den Metropolen New York und Washington stand der Nahverkehr komplett still. Die Wall Street blieb erstmals seit 27 Jahren wieder wegen Sturms geschlossen, beeinträchtigt war auch der Präsidentschaftswahlkampf. Vor der Küste wurden zudem mehrere Menschen vermisst.

„Sandy“ sollte im Laufe des Abends (Ortszeit) südlich von New York an Land treffen. Nach Einschätzung des Hurrikanzentrums in Florida sollte das Auge des Sturms im südlichen New Jersey, gute 100 Kilometer südlich des „Big Apple“, die Küste erreichen. Der Sturm bewegte sich zuletzt mit etwa 30 Kilometern in der Stunde auf die US-Küste zu. Die Winde in seinem Wirbel erreichten zwischenzeitlich aber 150 Kilometer in der Stunde.

Rechtzeitig vor dem befürchteten Jahrhundertsturm kehrte US-Präsident Barack Obama von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück. Er wollte eine Sitzung des Krisenstabs leiten und anschließend gegen Mittag (Ortszeit) eine Erklärung abgeben. „Die Sicherheit der vom Sturm betroffenen Amerikaner hat für den Präsidenten Priorität“, teilte sein Sprecher Jay Carney mit. Noch könne nicht gesagt werden, inwieweit der Hurrikan die Wahl beeinträchtigen werde.

Allein die Sturmschäden könnten sich nach Ansicht von Fachleuten auf etwa drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) belaufen. Aus Angst vor dem Hurrikan sollten allein in New York fast 400 000 Bewohner ihre Häuser verlassen. Insgesamt könnten rund 60 Millionen Menschen die Auswirkungen „Sandys“ zu spüren bekommen, wie es vom Energieversorger National Grid hieß.

Das Auswärtige Amt rechnet wegen des Hurrikans mit erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Leben an der Ostküste der USA. Das geht aus den aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen hervor.
Deutsche Reiseveranstalter sagten zunächst kaum Reisen an die US-Ostküste ab. Ihm seien nur Einzelfälle bekannt, sagte Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband.

Die Menschen in den betroffenen Bundesstaaten deckten sich mit Vorräten ein. Knapp wurden Wasserflaschen, Lebensmittel in Dosen, Taschenlampen und Batterien.

Das Zentrum der Hauptstadt Washington glich am Morgen (Ortszeit) einer Geisterstadt. Die Behörden riefen alle Bewohner auf, ab 14 Uhr Ortszeit möglichst nicht mehr die Häuser zu verlassen.

Wetterexperten befürchten, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stoßen könnte. Diese Kombination könnte zum schwersten Unwetter an der Ostküste seit 1991 führen. Damals kamen bei Hurrikan „Bob“ vier Menschen ums Leben, von South Carolina im Süden bis Maine im Norden entstanden hohe Schäden.

Zum ersten Mal seit 27 Jahren blieb die Wall Street wegen eines Sturms komplett geschlossen. An allen US-Aktienmärkten fiel zum Wochenauftakt wegen des Hurrikans der Handel aus. Dies hatte die US-Wertpapieraufsicht SEC in der Nacht zu Montag in New York angeordnet. Auch an diesem Dienstag dürfte der Handel ausfallen, wenngleich eine endgültige Entscheidung bis zuletzt fehlte.

Vor der Präsidentenwahl am 6. November gefährdet „Sandy“ auch Terminpläne im Endspurt des Wahlkampfs. Präsident Obama rief für die Millionenmetropolen Washington und New York sowie die Bundesstaaten Maryland und Massachusetts den Notstand aus. Obama will vor der Wahl unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan „Kathrina“ vor sieben Jahren vermeiden. Der damalige Präsident George W. Bush geriet 2005 wegen unkoordinierter Hilfe der Regierung in die Kritik.

Die Schiffe der Navy, die im Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, wurden verlegt. 61 000 Mitglieder der Nationalgarde waren in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken.

Bürgermeister Michael Bloomberg warnte die New Yorker davor, den Sturm auf die leichte Schulter zu nehmen. „Sie könnten essen oder ins Kino gehen. Aber denken Sie daran: Es ist gefährlich da draußen.
Vielleicht ist das einfach ein guter Tag, vor dem Fernsehen zu sitzen und ein Sandwich zu essen“, sagte Bloomberg in New York. Der Hinweis, zu Hause zu bleiben, gelte aber nicht für die Menschen im Evakuierungsgebiet. Dazu zählen die niedriger gelegenen Stadtteile im Süden Manhattans, darunter das bekannte Viertel Tribeca.

Auch für Inseln vor New York sowie für die Bewohner von Inseln vor New Jerseys Küste wie Long Beach Island gab es Evakuierungsbefehle. Vielerorts wurden Klassenräume zu Notunterkünften.

In der Karibik starben wegen „Sandy“ nach jüngsten Angaben 67 Menschen, davon allein in Haiti 51. Nach dem Vorbeizug wurden in der Region zudem mehrere Europäer vermisst. Nach Angaben des Transportministeriums in Paris handelt es sich um sechs bis sieben Franzosen, die mit einem Boot zwischen den Inseln Martinique und Dominica unterwegs waren.

Bei einer dramatischen Rettungsaktion brachten zwei Hubschrauber der US-Küstenwache 14 Besatzungsmitglieder des Filmschiffs „Bounty“ in Sicherheit. Zwei Menschen wurden allerdings auch Stunden nach der Aktion noch vermisst. Der aus dem Hollywood-Klassiker „Die Meuterei auf der Bounty“ von 1962 bekannte Großsegler war etwa 150 Kilometer südöstlich von North Carolina in Seenote geraten und aufgegeben worden.

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