Gruppe C, 3. Spieltag: Rumänien versucht viel zu wenig : Huntelaar beendet die Rechnerei

Mit einer erschreckend schwachen Leistung hat sich Rumänien von der EURO verabschiedet. Gegen die Ersatzelf der Niederlande setzten die Tricolorii zunächst auf eine Nullnummer, taten aber auch nach dem verdienten Rückstand nicht mehr viel für die Offensive. So wurde die neu zusammengestellte Oranje-Defensive nie in Bedrängnis gebracht. Den Niederländern konnte es recht sein, Diskussionen um einen halbherzigen Auftritt und eine freiwillige Niederlage mussten sie nicht fürchten.

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17. Juni 2008, 11:58 Uhr

Die Niederlande war schon vor dem abschließenden Gruppenspiel als Erster fürs Viertelfinale qualifiziert. Bondscoach Marco van Basten ließ vor der Partie lange offen, wie viele Wechsel er im für sein Team bedeutungslosen Spiel vornehmen würde. Letztlich waren es neun: Heitinga, sogar mit der Kapitänsbinde, Bouma und de Cler bildeten anstelle von Mathijsen, Ooijer und van Bronckhorst zusammen mit Boulahrouz die Viererkette; de Zeeuw spielte für de Jong neben Engelaar davor. In der Offensive sollten diesmal van Persie, Robben, Huntelaar und Afellay für die Tore sorgen - Sneijder, Kuijt, van der Vaart und van Nistelrooy, die beim 4:1 gegen Frankreich noch gewirbelt hatten, blieben zunächst auf der Bank. Und selbst van der Sar wurde geschont, Stekelenburg durfte zwischen die Pfosten. Bei den Rumänen fanden sich im Vergleich zum 1:1 gegen Italien vier Neue in der Startelf: Cocis ersetzte Radoi (Nasen- und Jochbeinbruch), Ghionea Goian (Gelbsperre). Zudem begannen Nicolita und Marius Niculae für Petre und Daniel Niculae.In den ersten 20 Minuten passierte in Bern schlichtweg nichts. Beide Teams versuchten, den Ball erst einmal in den eigenen Reihen zu halten, Offensivaktionen waren offensichtlich zweitrangig. Dazu gesellten sich einige Abspielfehler, wenige Zweikämpfe und höchstens Halbchancen. Die Rumänen begannen beinahe zu vorsichtig, die Niederländer mussten sich in der neuen Zusammensetzung erst einmal finden. Temporeich ging es jedenfalls zunächst nicht gerade zu. Van Persies Kopfball, der weit übers Tor ging, war noch das einzige halbwegs Gefährliche in der Anfangsphase (19.). Für Rumänien war Mutus kleines Dribbling im Sechzehner - sein Schuss wurde noch abgeblockt (24.) - die nennenswerteste Offensivaktion zu Beginn.Nach rund einer halben Stunde wurde die Partie etwas lebhafter. Mutu setzte aus der Distanz ein kleines Ausrufezeichen (30.), Huntelaar hatte kurz danach auf der anderen Seite die große Chance zur Führung: Boulahrouz, auf der rechten Seite mit viel Platz, drang in den Strafraum ein und legte auf den van-Nistelrooy-Ersatz ab; doch Huntelaar setzte die Kugel trotz guter Position einen Meter über die Latte (34.). Das sollte keine Ausnahme mehr sein: Drei Minuten später fand sich Robben nach einer tollen Kombination zwischen de Zeeuw und Huntelaar allein vor Lobont, vergab die Chance aber, indem er den Ball mit dem Außenrist knapp neben den Pfosten legte. Kurzum: Die Niederlande stellte das gefährlichere Team, Rumänien machte auch nach Italiens Führungstor gegen Frankreich nicht mehr nach vorne. Erst in der letzten Minute der ersten Halbzeit wurde es auch vor Stekelenburg erstmals richtig kritisch: Rat legte von links schön zurück auf Codrea, der die Kugel aber von der Strafraumgrenze aus leichtfertig übers Tor hämmerte. Trotzdem war das 0:0 zur Pause eher für Rumänen glücklich.Vier Minuten dauerte es nur, ehe das 0:0 erstmals auch im zweiten Durchgang erheblich ins Wanken geriet. Heitinga spielte einen perfekten langen Ball aus der eigenen Hälfte heraus zu van Persie, der die Kugel aus der Luft holte, sich um Tamas drehte, mit seinem Versuch aus sieben Metern dann aber am stark reagierenden Lobont scheiterte. Lange konnte das nicht mehr gut gehen für die passiven Rumänen - und es ging nicht mehr lange gut, genauer gesagt fünf Minuten. Dann flankte Afellay scharf von rechts, Engelaar sprang in den Ball - ohne ihn entscheidend zu berühren - und Huntelaar hielt seinen linken Fuß hin. Das verdiente 1:0 (54.)! Es lief nicht gut für Rumänien. Rückstand in Bern, in Zürich machte Italien kurz darauf das zweite Tor und es war klar: Nur ein Sieg würde den Tricolorii nun noch helfen.Doch trotz der prekären Lage dachte die Piturca-Elf nicht daran, auf bedingungslose Offensive umzustellen. Vielmehr wurde das defensive System weitgehend beibehalten. Die Partie wirkte zeitweise eher wie ein Freundschaftsspiel denn wie das entscheidende Vorrundenspiel einer Europameisterschaft. Die neu zusammengewürfelte niederländische Viererkette hatte keine Probleme damit, eine souveräne Defensivleistung abzuliefern - sie wurde einfach nicht gefordert. Dabei hatte Rumänien eigentlich nichts mehr zu verlieren! Doch diese Einstellung verinnerlichten Chivu & Co. in der Schlussphase nie. Offenbar hatte sich der Außenseiter aufgegeben. Dafür setzte Oranje noch eins drauf: De Zeeuws Freistoß nahm van Persie stark an - der folgende Hammer landete im oberen Eck (87.) - der Schlusspunkt in einer wenig ansehnlichen Partie.

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