Hoffnung auf erfolgreiche Aufzucht wächst

Anlässlich der Geburt eines Eisbären im Nürnberger Tiergarten stellte die Konditorei die Marzipan-Eisbären mit einem 'Fell' aus Kokosflocken her.
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Anlässlich der Geburt eines Eisbären im Nürnberger Tiergarten stellte die Konditorei die Marzipan-Eisbären mit einem "Fell" aus Kokosflocken her.

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13. Januar 2008, 04:38 Uhr

Sein Fläschchen schmeckt ihm und es bekommt schon die ersten Zähnchen: Das Nürnberger Eisbärenbaby ist in der ersten Woche nach der Trennung von seiner Mutter prächtig herangewachsen. "Wir sind sehr, sehr zufrieden", sagte Tiergartenchef Dag Encke am Sonntag. Körpertemperatur, Appetit und Verhalten des mittlerweile 2400 Gramm wiegenden fünf Wochen alten Weibchens seien normal. "Jeden Tag wächst die Hoffnung, dass die Aufzucht gelingt", sagte Encke. Durchatmen könne man jedoch erst nach etwa drei Monaten.

Um den Durchbruch der ersten Beißerchen zu erleichtern, massieren die Pfleger nach Enckes Angaben die Zahnleisten der kleinen Bärin. Auch die Augenlider schieben sich bereits auseinander. "In den nächsten Tagen gehen die Augen wahrscheinlich auf", sagte der Tiergartendirektor. "Das werden dann dunkle Knopfäuglein sein." Im Vierstunden-Rhythmus verlange das Tier nach Futter und trinke dann bis zu 140 Milliliter Milch.

Am Befinden des Eisbärenbabys nehmen mittlerweile Zehntausende Menschen weltweit Anteil. Im Tiergarten gingen kleine Geschenke wie gehäkelte Lätzchen ein. Auf den städtischen Internet-Seiten gab es seit Freitag täglich etwa 120 000 Besucher und 1,1 Millionen Seitenaufrufe. Von dem Ansturm wurde der Server am Wochenende für mehrere Stunden lahmgelegt. Binnen 48 Stunden seien bis Sonntagmittag 15 000 Namensvorschläge für die Bärin eingereicht worden, berichtete Pressesprecher Siegfried Zelnhefer. Genannt wurden Namen wie Franka, Lina oder Käthe über Nibs und Snowwhite bis hin zu Aichá und Yuki Chan. Aus aller Welt kamen zudem Medienanfragen. "Das Interesse ist größer als bei der Fußball-Weltmeisterschaft", sagte Zelnhefer.

Festgelegt werden soll der Name erst, wenn das Eisbärenbaby über den Berg ist. Tierarzt Bernhard Neurohr warnte, dass es bei der Aufzucht auch zu Rückschlägen kommen könne. Die Überlebenschancen kleiner Eisbären betragen demnach generell nur etwa 50 Prozent. Das Team der Tierpfleger wurde mittlerweile auf vier Mitarbeiter - zwei Frauen und zwei Männer - aufgestockt. Sie versorgen das Eisbärenbaby rund um die Uhr.

Das große Interesse an der kleinen Bärin ist nach Ansicht des Psychologen Prof. Dietrich Dörner auf die Beschützerinstinkte des Menschen zurückzuführen. "Kleine Kinder und kleine Tiere fallen in das sogenannte Kindchenschema. Das weckt automatisch den Beschützerinstinkt, der in jedem von uns eingebaut ist." Merkmale wie die rundlichen Formen, der hilflose Blick und die tapsigen Bewegungen forderten unbewusst zum Handeln auf.

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