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22. November 2017 | 12:26 Uhr

Kommentar : Hochmut kommt vor dem Fall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warum Häme gegenüber der Münchhausen-Lehrerin sich nicht schickt

von
erstellt am 20.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Wer hoch fliegt, fällt tief, lautet ein kroatisches Sprichwort. Laut Lexikon ist seine Bedeutung „Hochmut kommt vor dem Fall“. Kein falscher Vergleich, aber ein schiefer.

Hoch fliegen im Sinne von „nach Höherem streben“ kann ja kein falscher Lebensanspruch sein. Woher sonst käme die Motivation, sich anzustrengen, aus bestehenden Verhältnissen auszubrechen? Wer solchermaßen strebt, kann auch scheitern. Also tief fallen. Dann steht die Frage, ob er/sie sich aufrappelt und neuen Anlauf nimmt – oder sich dann zufriedengibt mit dem, woher er/sie kommt.

Im Falle unserer Münchhausen-Lehrerin trifft die Deutung „Hochmut...“ wohl zu. Ihr Streben war, etwas zu sein, wofür sie offenbar nicht ansatzweise genug getan hatte. Allerdings könnte man die Sache auch so betrachten:

Hätte sich Frau X. erst 2013 im Rahmen des „Seiteneinsteiger-Programmes“ für den Schuldienst beworben, wäre sie womöglich schad- und klaglos eingestellt worden und wäre – sofern sie einen der knappen Fortbildungsplätze ergattert hätte – jetzt korrekt angestellte Lehrerin. Denn laut Erlass von 2007 war Einstellungsvoraussetzung in dieser Zeit akuten Lehrermangels „ausnahmsweise, wenn die Ausbildung und bisherige Berufserfahrung eine ausreichende fachliche Grundlage für die Tätigkeit in mindestens einem Unterrichtsfach sind“. Warum dann nicht eine „Stabü-Lehrerin“, die mutmaßlich ein Fachschulstudium absolviert hat, also immerhin für die Arbeit mit Kindern präpariert wurde?

Letztlich ist diese Überlegung nun müßig, schließlich gab die Dame zu, vorsätzlich getäuscht zu haben. Das erfordert Strafe . Doch Häme ist fehl am Platze: Erstens sind reihenweise Kollegen und Schulbürokraten auf sie hereingefallen. War also ihr Defizit gegenüber examinierten Lehrern unauffälliger, als im Nachgang behauptet? Und was käme wohl heraus, wenn jemand ihre Lehrleistung vergliche mit der von offiziellen „Seiteneinsteigern“? Der Frage sollten sich Bildungspolitiker und -verwalter einmal annehmen.

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