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umstritten : Hitler- und Goebbels-Porträts im Landtag

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

SPD, Linke und Grüne in Brandenburg halten an der umstrittenen Kunstausstellung mit Porträts von Hitler und Goebbels im neuen Landtag fest. „Es gibt keinen Anlass, die Ausstellung um- oder abzuhängen“, sagte ein SPD-Fraktionssprecher gestern.

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erstellt am 13.Jan.2014 | 08:31 Uhr

SPD, Linke und Grüne in Brandenburg halten an der umstrittenen Kunstausstellung mit Porträts von Hitler und Goebbels im neuen Landtag fest. „Es gibt keinen Anlass, die Ausstellung um- oder abzuhängen“, sagte ein SPD-Fraktionssprecher gestern. Die Kunstkommission des Landtages habe sich für diese Präsentation entschieden. CDU und FDP kritisierten die Entscheidung.

Gezeigt werden 112 Arbeiten des Berliner Künstlers Lutz Friedel, die verfremdet unter anderem die Altkanzler Helmut Schmidt und Konrad Adenauer, aber auch Hitler und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels zeigen. Es ist die erste der jährlich wechselnden Ausstellungen im neuen Parlamentsgebäude in Potsdam.

Die Vorsitzende der Kunstkommission Geritt Große (Linke) sagte: „Man muss die Kunstwerke hinterfragen und sich damit auseinandersetzen.“ Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Marie Luise von Halem, erklärte: „Kunst ist gut, wenn sie provoziert.“ Der Künstler selbst war nicht zu erreichen.

Für die CDU-Fraktion betonte deren Parlamentarischer Geschäftsführer Ingo Senftleben: „Die CDU-Fraktion lehnt es ab, Bilder von Diktatoren und Verbrechern im Landtag auszustellen. Über Kunst lässt sich immer streiten, Bilder von Hitler oder Stalin sind aber in einem Parlament unerträglich.“ Die CDU hatte als einzige Fraktion gegen die Ausstellung gestimmt, der FDP-Vetreter fehlte. Jetzt sagte FDP-Fraktionschef Andreas Büttner: „Mörder und Tyrannen haben im Landtags nichts verloren.“

Laut Kuratorin Brigitte Rieger-Jähner stammen die Werke aus einer Serie von Bildern Lutz Friedels mit dem Titel „Ich! Meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003“. Als Ausgangspunkt habe der Künstler Plakate, fotografische Vorlagen aus dem Internet, aus Zeitschriften und Kunstbüchern genutzt, die er übermalte, sagte sie. Die Bilder seien Selbstbefragungen und Selbstbildnisse. Das jetzt umstrittenste Porträt heißt „Selbst als Helge Schneider als Hitler“. „Das ist nicht Hitler“, betonte die Professorin. Die Werke seien keine Aufarbeitung von Geschichte im Sinne eines Historikers, sondern Kunst. „Wenn Kunst nicht gut ist, provoziert sie nicht.“

Im Text zur Ausstellung schreibt die Kuratorin: „Alle diese Männer und Frauen haben den Künstler in ihrer Großartigkeit oder Schrecklichkeit, mit ihrem Mut oder ihrer Feigheit positiv wie negativ beeindruckt.“ Und: „Lutz Friedel ist ein kritisch denkender Mensch.“

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