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21. November 2017 | 07:33 Uhr

Hindenburg ja, Gauck nein

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2012 | 07:45 Uhr

Die Linken sind dagegen, dass Joachim Gauck die Ehrenbürgerwürde von Rostock verliehen bekommt. Begründen können sie das nicht, zumindest nicht so, dass der Verdacht der Geschichtsvergessenheit ausgeräumt wird. Sie haben Fehler gemacht. Die Partei wollte Gauck unabhängig von den grundverschiedenen Auffassungen über Vergangenheit und Demokratie bewerten - und hat doch jede Gelegenheit zur Kritik genutzt. Gauck löst Reflexe aus bei den Linken. Seine Definition von Freiheit? Verkürzt. Stasi-Aufarbeitung? Er versöhnt nicht, er spaltet. Jeder Vorwurf eine ständige Wiederholung. Jeder Vorwurf ein Hinweis darauf, dass es nicht um seine Verdienste geht. Und selbst die werden bestritten. "Es ist Gauck durchaus zuzugestehen, dass er in seiner Kirchgemeinde Rostock-Evershagen einiges bewegt hat", sagt Landeschef Steffen Bockhahn. Aber für Rostock als Ganzes habe er wenig gemacht. Gauck war von 1971 bis 1990 Pastor, war Mitbegründer des Neuen Forums und Vertreter der Stadt in der ersten frei gewählten Volkskammer. Für die Linken ist das offenbar zu wenig, um zu den Ehrenbürgern Hindenburg und Bismarck aufzuschließen. "Bei Herrn Gauck erkennen wir keine bleibenden Verdienste für Rostock", bestätigt die Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Kröger. "Und es hat auch noch niemand Verbleibendes aufzeigen können." Noch einmal: Gesagt haben das Kröger und Bockhahn. Die Diskussion in der Hansestadt wurde geführt, als hätte Marianne Linke das Skript geschrieben - und nicht die junge Generation der Partei. Nach der Wende entzog die Bürgerschaft drei SED-Funktionären die Ehrenbürgerwürde. Die Verdienste wären nicht von Dauer gewesen. Sollte Gauck eines Tages mit der selben Begründung gestrichen werden, würden das auch die Linken merken. Dann jedoch wären Demokratie und Freiheit nicht von Dauer gewesen. Gaucks Verdienste - stellvertretend für viele andere.

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