Hilflose Genossen

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18. September 2012, 07:33 Uhr

Wenn Politiker den eigenen Parteifreunden offene Briefe schreiben, gibt es mehrere mögliche Ursachen. Keine davon wirft ein gutes Licht auf die betroffene Partei. Der Brandbrief der SPD in Vorpommern-Greifswald an ihren Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Erwin Sellering könnte auf einem Missverständnis beruhen, weil die innerparteiliche Kommunikation nicht funktioniert hat.

Das wäre die mildeste Auslegung. Wahrscheinlicher ist es, dass die Kreistags-Genossen um Norbert Raulin sich trotz vorheriger interner Hilferufe von Hinterzimmer zu Hinterzimmer von Schwerin nicht verstanden fühlten und durch den deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl endlich Beachtung einfordern wollen.

Wer von seiner Basis derart angezählt wird, müsste sich allerdings langsam Gedanken um seinen Rückhalt in der eigenen Partei machen. Es kann allerdings auch sein, dass die SPD-Genossen vor Ort nicht auf dem Laufenden sind, an welchen Hilfen für Vorpommern-Greifswald in Schwerin bereits gebastelt wird. Auch das spräche nicht gerade für funktionierende Strukturen in der SPD.

Auf jeden Fall ist der Brandbrief ein Indiz für die Hilflosigkeit der Sozialdemokraten im Kreistag von Vorpommern-Greifswald. Weil sie mit ihren Vorschlägen, wie und wo der Landkreis sparen sollte, über Kreuz mit der linken Landrätin Syrbe liegt, forderte sie Unterstützung von außen aus der Landeshauptstadt an.

Aber wie verzweifelt müssen Kommunalpolitiker sein, die zudem die finanzielle Zwangsverwaltung des Kreises durch einen Bevollmächtigten des Innenministeriums und damit die eigene Entmachtung vorschlagen?

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