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26. September 2017 | 00:30 Uhr

Hilfe für den Wahlkampf?

vom

svz.de von
erstellt am 03.Jun.2013 | 08:43 Uhr

Plötzlich begann es zu regnen. Die Fluss-Pegel stiegen auf Rekordhöhe an, und der Bundestagswahlkampf 2002 hatte ein neues Thema – und neue Bilder: Der „gestiefelte Kanzler“, der damals am 14. August das überflutete sächsische Städtchen Grimma besuchte, Trost spendete und Hilfe zusagte, punktete im Duell mit seinem Herausforderer. Gerhard Schröder gewann in der Rolle des Krisenmanagers und am Ende die Bundestagswahl. Edmund Stoiber, Kanzlerkandidat der Union, entschloss sich erst spät, auch in die Hochwassergebiete zu reisen. Ein Fehler, wie seine Wahlkampfmanager später zugaben.

Elf Jahre später, wieder ein Rekordhochwasser, wieder Bundestagswahlkampf, und Schröders Nachfolgerin reagiert prompt. Heute wird die Kanzlerin in die überfluteten Regionen fliegen. Merkel an der Hochwasserfront, während ihr Herausforderer und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei der traditionellen „Spargelfahrt“ der Bundestagsfraktion über den Berliner Wannsee schippern will. Steinbrück, heißt es aus seinem Umfeld, plane keine Besuche in den Hochwassergebieten. Der Kanzlerkandidat fürchtet offenbar den Vorwurf, die Katastrophe für den Wahlkampf instrumentalisieren zu wollen.

„Der Bund wird auch schauen, was wir helfen können, genauso wie die Länder“, versicherte die Kanzlerin. Jetzt sollten die Gedanken bei denen sein, „die zu dieser Stunde wirklich um alles kämpfen, was sie haben, in Passau und in Görlitz und in anderen Städten“, erklärte sie. Der Auftritt in Regencape und Gummistiefeln als Chance, die Umfragewerte zu steigern? Dies sei „ein abseitiger Aspekt“, versichert Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert. Es gehe darum, „mit allen Mitteln den Menschen zu helfen“. Wie wird der Bund den Flutopfern helfen ? „Zu früh“ sei es noch, um darüber zu entscheiden, so Merkels Sprecher. Jetzt gehe es darum, Schaden an Leib und Leben der Menschen in Hochwasserregionen abzuwenden.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) war bereits gestern in Sachsen unterwegs. In seiner Behörde tagt der Krisenstab der Bundesregierung. „Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir alles tun, ihr die Schäden zu erleichtern“, versprach er. So sind unterdessen 1800 Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) und 500 Bundespolizisten im Einsatz. Die Bundeswehr hat bisher 1760 Soldaten in die betroffenen Regionen entsandt.

Merkel in der Rolle der Deichgräfin, die sich kümmert und Trost spendet – auch wenn in ihrer Umgebung abgewunken wird, so dürfte ihr dieser Auftritt nicht völlig ungelegen kommen. Was hatte Gerhard Schröder rückblickend zu seinem Fluteinsatz im Wahlkampf 2002 gesagt? „Wir haben bei der Flut Handlungsfähigkeit bewiesen“, so Schröder.

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