Zahlen aus MV : Hier reicht das Arbeitseinkommen oft nicht zum Leben

Niedrigste Löhne und Gehälter gehen in Mecklenburg-Vorpommern mit überdurchschnittlichen Sozialleistungen einher

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31. März 2016, 12:00 Uhr

Arbeitslose und Alleinerziehende sind häufiger von Armut gefährdet als Menschen, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen – das ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht anders als in anderen Teilen Deutschlands. Was den Nordosten jedoch von anderen Regionen unterscheidet, ist die hohe Quote von Aufstockern, also von Menschen, die zusätzlich zu ihrem Erwerbseinkommen auf Sozialleistungen angewiesen sind. Prof. Ulf Groth und Kathrin Michels von der Fachhochschule Neubrandenburg führen in einem im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt erstellten Forschungsbericht über „Aspekte der Armut in Mecklenburg-Vorpommern“ auf, dass im Jahr 2013 hierzulande 8,3 Prozent aller Beschäftigten aufstocken mussten. Zuletzt hätte der Bezug von Sozialleistungen im Nordosten rund neun Prozent über dem Bundesdurchschnitt gelegen, so die Studienautoren.

Ein Personenkreis, dessen Armutsgefährdung immer größer wird, sind alleinstehende Männer. Bereits seit 2008 beziehen in Mecklenburg-Vorpommern mehr Frauen als Männer Grundsicherungsleistungen. Groth und Michels verweisen vor allem auf die unter 65-jährigen Erwerbsgeminderten. Sie müssten oft bereits jetzt Grundsicherungsleistungen in Anspruch nehmen. Erreichten sie die Regelaltersrenten-Grenze, würden sie zu Altersarmen, weil ihre Einkünfte sich vielfach nicht mehr änderten. In diesem Kontext sei auch zu sehen, dass der Anteil der Wohngeldempfänger in MV mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt ausfällt – den größten Anteil an rund 30 000 registrierten Wohngeldempfängern stellten Senioren.

Während die Sozialleistungstransfers hierzulande besonders hoch sind, sind die Einkünfte aus sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen besonders niedrig. Zwar sind binnen zehn Jahren die Durchschnittseinkommen in MV um 21,7 Prozent gestiegen. Dennoch bleibt der Nordosten seit Jahren das Schlusslicht bei den Einkommen. Nach gestern veröffentlichten Angaben des Statistischen Landesamtes stiegen die Löhne und Gehälter im Nordosten im Vergleich zu 2014 um 3,7 Prozent auf zuletzt 25 828 Euro. Damit sind 79,4 Prozent des Bundesdurchschnitts erreicht worden – nach 78,8 Prozent im Jahr davor. Im Durchschnitt der neuen Länder wurden 2015 je Arbeitnehmer 26 827 Euro gezahlt (82,5 Prozent des Bundesdurchschnitts), im früheren Bundesgebiet waren es 33 421 Euro (102,8 Prozent des Bundesdurchschnitts).

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