„Hier mache ich Urlaub“

Gute Stimmung auf dem Bahnsteig in Kühlungsborn: Eva Luise Köhler, Horst Köhler, Dagmar Dark-Ringstorff  (v.l.n.r.)
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Gute Stimmung auf dem Bahnsteig in Kühlungsborn: Eva Luise Köhler, Horst Köhler, Dagmar Dark-Ringstorff (v.l.n.r.)

Bundespräsident Horst Köhler (CDU) auf Stippvisite an der Küste. Das Staatsoberhaupt suchte den Bürgerkontakt und zeigte sich dabei leutselig und aufgeschlossen.

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18. Juli 2008, 08:58 Uhr

Bad Doberan - Sonnencreme brauchte gestern keiner in Kühlungsborn. Die örtliche Wetterstation meldete frische 16 Grad über null. Bundespräsident Horst Köhler wirkte dennoch alles andere als unterkühlt, als er auf seiner Sommertour im mecklenburgischen Ostseebad Station machte. Er wolle „nette Menschen“ kennenlernen, sagte er mit breitem Lächeln auf dem Bahnhof West des Ferienortes und begann sofort, mit Händeschütteln und freundlichen Worten Sympathiepunkte unter den etwa 70 interessierten Urlaubern zu sammeln.

Staatsoberhaupt sucht Bürgerkontakt
Das Staatsoberhaupt suchte den Kontakt zu seinem Volk und hatte dazu die Krawatte zu Hause gelassen und Ehefrau Eva Luise mitgebracht. Auch Sabine Stein aus Berlin schüttelte Köhler die Hand. Sie hatte aus dem Radio von dem Besuch gehört, und war mit ihren zwei Kindern zum Bahnhof gekommen. „Köhler ist sympathisch, aber das wusste ich schon vorher“, freute sie sich.

Begleitet wurde der Bundespräsident vom Ministerpräsidenten Harald Ringstorff und dessen Frau Dagmar. Der Regierungschef war mit von der Partie, obwohl er seit Montag bereits Urlaub hat und am Wochende nach Norwegen will. Doch verschlafen, wie sein Amtskollege Peter Harry Carstensen in Schleswig-Holstein beim Köhler-Besuch auf Langeness einen Tag zuvor, hatte der Mann aus Weiße Krug bei Warin trotzdem nicht.

Die Stimmung war gut, als Jan Methling, Vorsitzender des Vereins Traditionspflege Molli e.V, die hohen Gäste in die historische Bäderbahn einlud. Ein ganzer Tross von Sicherheitsbeamten, zwei Stabsärzte der Bundeswehr und etwa ein Duzend Journalisten folgten in die Waggons. Um 9.41 Uhr und mit sechs Minuten Verspätung dampfte der Molli endlich los. Köhler und Ringstorff saßen auf ihren harten Holzbänken und waren sichtlich beeindruckt als Methling erklärte: „Dieser Waggon ist von 1922, hier ist alles original restauriert.“ Zur Stärkung gab es Obstspieße mit Erdbeeren und Ananas.

„Ich erhoffe mir von meinem Besuch Kontakte mit freundlichen Menschen“, sagte das 65-jährige Staatsoberhaupt gegenüber unserer Redaktion. Er wolle die Menschen „einfach noch besser verstehen. Was beschwert sie, was macht sie glücklich?“. Zudem sollen ehrenamtlich geführte Projekte wie der Traditionsverein Mollibahn durch seinen Besuch mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen. Seine gestern begonnene zweitägige Reise durch den Nordosten steht unter dem Motto „Zusammenhalt der Gesellschaft“. Seine Eindrücke von Mecklenburg-Vorpommern seien positiv, sagte Köhler weiter. „Hier werde ich im Anschluss an meine Sommertour Urlaub machen“, kündigte er an. Eine Woche Erholung, wo genau verriet er nicht.

Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt war die Mollibahn mit den prominenten Sommergästen im Zentrum von Bad Doberan angekommen. Bürgermeister Hartmut Polzin, zum Empfang angetreten, hat längst Erfahrungen mit hohen Staatsgästen. Im nahen Heiligendamm, das zu seinem Amtsbereich gehört, trafen sich vor einem Jahr die acht mächtigtsten Regierungschefs zum Weltgipfel. „Ein Bundespräsident ist trotzdem immer etwas Besonderes“, lobte Polzin.
Erste Station in der Schwanen-Stadt Bad Doberan war das Münster. Sichtlich beeindruckt zeigte sich Köhler vom gotischen Bau. „Aus welchem Holz ist das Kreuz“, fragte er den Münster-Verwalter Martin Heider, der um keine Antwort verlegen war. Das Kreuz im Münster ist aus Eichenholz.

Ein Projekt mit Leben erfüllt
Im Gemeindehof gegenüber traf Köhler auf 20 Jugendliche, die in einem Projekt einen alten Stall Stein für Stein wieder aufbauen, der längst schon zum Abriss freigegeben war. „Das soll ein Jugendhaus werden“, erklärte Pastor Albrecht Jax. Die meisten Arbeiten würden von den Jugendlichen selbst erledigt. Nur wenn nötig, gebe es Anleitung durch Handwerker. Köhler fragte die Jugendlichen, ob sie alle Mitglieder der Jungen Gemeinde wären. Die Jugendlichen schüttelten mit dem Kopf. Etwa die Hälfte von ihnen kommt aus einem Jugendklub der Stadt, der vor kurzem geschlossen wurde.

Das Projekt „Stall“ ist für Köhler „mit Leben erfüllt“ und trage deshalb dazu bei, dass die Menschen ein gutes Gefühl haben. Solche Initiativen seien deshalb auch ein kleiner Beitrag, um rechtsextremistischen Vereinen das Wasser abzugraben.

Köhler, der seit Juli 2004 im Amt ist und sich im kommenden Jahr für eine zweite Periode erneut gegen Herausforderin Gesine Schwan zur Wahl stellen will, zeigte sich bei den unterschiedlichen Terminen in Bad Doberan unverkrampft und natürlich. So auch in der Suppenküche, wo er neben Bedürftigen saß und Kohlsuppe löffelte. Medien waren bei diesem Termin nicht zugelassen.

Sportlich mit dem Fahrrad und ordentlich Rückenwind ging es nach dem Essen weiter nach Warnemünde. „Wirtschaft und Zusammenhalt der Gesellschaft“ hieß das Bürgergespräch, das dort auf ihn wartete.

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