Russland: Der Coach tritt jetzt gegen die Heimat an : Hiddinks fünfter Streich

Er hat es also wieder getan. Viermal bereits war der Niederländer Guus Hiddink (61) mit Nationalteams bei Endrunden angetreten. Zweimal mit seinem Heimatland, jeweils einmal mit Südkorea und Australien, in die K.o.-Runde hat er seine Mannschaften immer dirigiert. Mit Russland gelang nun durch den Erfolg gegen Schweden am gestrigen Mittwoch der fünfte Streich - und das soll erst der Anfang gewesen sein.

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19. Juni 2008, 12:58 Uhr

Hiddink hat Großes vor im russischen Fußball. "Mit 140 Millionen Einwohnern steckt in diesem Land ein riesiges Potenzial", sagt der Erfolgscoach. "Wir haben mit der Nationalelf die Chance, die Entwicklung zu fördern. Wir sind das Kraftwerk, das den russischen Fußball in eine goldene Zukunft führen könnte." Und Hiddink betätigt die Motoren. Priorität, betont er, müssten die Infrastruktur und die Nachwuchsförderung haben. "Man muss in Russland lernen, wie man mit Jungen arbeitet. Und wie man sie behandelt."Hiddink selbst machte den ersten Schritt, krempelte das Na-tionalteam um und verjüngte es sukzessive. "Eigentlich", hat er im Vorfeld der EURO betont, "kommt das Turnier fast zu früh für meine junge Mannschaft." Jetzt aber hütet er sich, seine Spieler zu bremsen. Denn das, betont er, könne man ohnehin nicht. "Sie wollen immer nach vorn spielen", weiß der Niederländer, "das liegt in ihrer Natur. Deshalb mache ich mir auch keine Sorgen um den Fußball, den mein Team spielt. Es fehlt nur eben manchmal an Erfahrung. Wir wollen zu viel und sehen die Gefahr nicht." Wie beim 1:4 zum Auftakt gegen Spanien. Sehenden Auges war Russland ins Verderben gerannt. Aber: Nur kleine Korrekturen von Trainerfuchs Hiddink reichten zur Trendwende - und zum Überstehen der Gruppenphase.Sergey Ignashevich (28) etwa, angesichts Hiddinks Idee vom modernen Fußball ein Innenverteidiger aus dem Museum, brachte Robustheit, die sich letztlich auszahlte. Denn offensiv deutete die "Sbornaja" schon bei der Lehrstunde gegen Spanien das Potenzial an. Seit dem 1:0 über Griechenland war auch der Glaube an die eigenen Stärken wieder da. Der Glaube an Hiddink war immer ungebrochen. "Er ist sehr optimistisch und hat Vertrauen in seine Fähigkeiten. Genau das überträgt er auf uns", verrät Sergey Semak. Und: "Das Glück ist auf seiner Seite, seit er unser Trainer ist. Aber Glück hat auch nur der Tüchtige."Jetzt also geht es gegen Holland, die Heimat des Trainers. "Ich empfinde diese Konstellation als Glück", sagt Hiddink. Er freut sich aufs Duell mit den Niederlanden, mit der Vergangenheit. Und er erstarrt trotz der makellosen Bilanz des Viertelfinal-Gegners nicht in Ehrfurcht vor der scheinbaren Übermacht. Was möglich sei, wurde Hiddink von Journalisten gefragt und mit dem Triumph der Griechen 2004 konfrontiert - ob Russland das wiederholen könne? Hiddink machte eine kurze Pause, um dann herausfordernd zurückzufragen: "Ja, warum denn nicht?"
Über Russland berichtet Sebastian Wolff

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