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19. November 2017 | 17:08 Uhr

Einsatz gegen Verbrecher : Herzstück der Polizei

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In der Leitstelle werden Einsätze und Funkwagen koordiniert – ein Kampf gegen die Zeit.

Die Fäden der Polizeieinsätze laufen in den beiden Leitstellen im Land zusammen. Mit GPS-Technik und Digitalfunk sollen Streifenwagen optimal koordiniert werden. Dennoch gibt es an manchen Tagen Überlastungen.

Als kleine Fähnchen bewegen sich Polizeiautos auf dem Bildschirm: jedes mit einer Nummer und dem aktuellen Status versehen. Hellgrün markierte Wagen sind frei, die Besatzung von grünen Wagen ist auf der Wache beschäftigt, gelbe sind im Einsatz. Die Aufgabe von Hildegard Eilert und ihren acht Kollegen ist es, die Fähnchen zu Tatorten oder Unfällen zu beordern.

Die Oberkommissarin ist schnell auf der Tastatur, in wenigen Sekunden sucht sie in einer Software den Einsatzort und trägt den Sachverhalt ein. Mit ruhiger Stimme fragt sie vom Anrufer gleichzeitig wichtige Daten ab. „Wir bleiben immer freundlich, egal in welcher Stimmung unser Gegenüber ist“, sagt sie.

Nicht immer ist die Lage so übersichtlich wie an diesem Vormittag. Vor allem Himmelfahrt steht den Mitarbeitern der Polizei-Leitstelle in Frankfurt (Oder), der Außenstelle des Einsatz- und Lagenzentrums (ELZ) Potsdam, immense Arbeit bevor. „Wir fahren dann volle Besetzung“, sagt Ralf Niedbalka. Dann sei draußen mit vielen, kleinen Scharmützeln zu rechnen, bei denen Fäuste fliegen.

Überhaupt gibt es derzeit, zumal an den Wochenenden, mehr zu tun für die mit Headsets ausgestatteten Polizisten. „Volksfeste, Raser und Gartenpartys“, zählt Niedbalka auf. Ein weiterer Höhepunkt sind Blitzeislagen – Tage, an denen über 100 Anrufe täglich in der Leitstelle registriert werden. „Dann stoßen wir an unsere Grenzen.“

Aber auch Scherzanrufe machen den Beamten zu schaffen. Meist testen Kinder ihren Mut, erklärt Niedbalka. Darüber hinaus wählen zumeist ältere Menschen die Auskunft 11880, vertippen sich aber in der Reihenfolge der Zahlen und landen in der Leitstelle. Ein böswilliger Missbrauch des Notrufs ist dagegen selten. Anrufer müssen mit einer Strafanzeige rechnen. Der Job der 18 Beamten in Frankfurt (Oder) und Potsdam ist im doppelten Sinne entscheidend: Für das schnelle Agieren der Polizei, aber auch für die Statistik, die wiederum politisch ausgewertet wird. Können etwa Anrufe nicht entgegengenommen werden, kommen Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Behörde auf. Ebenso, wenn die Zeitspanne zwischen Alarmierung und Einsatzbeginn im Vergleich der Jahre ansteigt. Die Polizei in Cottbus räumte im März ein, bei diesen sogenannten Interventionszeiten getrickst und Einsätze verzögert ins Computersystem eingegeben zu haben.

Neun Prozent der Anrufer wählten im Vorjahr vergeblich die 110, erklärt ELZ-Leiter Jürgen Preuß. Bundesweit seien es elf Prozent, fügt er hinzu. Grund seien keine personellen Lücken, sondern zeitweilige Kapazitätsengpässe. „Wir haben seit Kurzem eine Ansage geschaltet, die darauf hinweist, dass alle Plätze belegt sind“, sagt er. Die Diskussion um Interventionszeiten kommentiert Detlef Wolff, Chef der Frankfurter Leitstelle, so: „Den Bürger interessieren Einzelfälle, nicht Durchschnittswerte.“

Wolff registriert zudem immer wieder Beschwerden über längere Wartezeiten vor Ort. „Es geht klar nach der Dringlichkeit. Raub oder Überfälle haben nun einmal Vorrang vor Unfällen mit Blechschäden“, erklärt er. Es sei üblich, dass die Beamten erst nach einer halben Stunde am Unfallort eintreffen, wenn nur Beulen an Autos zu beklagen sind. Nur ein Viertel der Anrufe beziehen sich auf Straftaten. Über zwei Drittel der Fälle handeln von Verkehrsunfällen oder werden unter dem Sammelbegriff „Gefahrenabwehr“ erfasst. „Jeder Bürger erwartet aber eine schnelle Reaktion“, sagt Wolff. In seinem Zuständigkeitsbereich, von der Uckermark bis Elbe-Elster, stehen im Schnitt rund 50 Streifenwagen zur Verfügung.

Polizeireviergrenzen spielen bei der Koordination keine Rolle. Oft auch keine Ländergrenzen. Wolff verweist auf eine enge Kooperation mit der polnischen Polizei, etwa bei der Jagd nach Autodieben. Die Leitstelle könne einen erfolgreichen Zugriff vorbereiten, bei Bedarf mit sämtlicher Technik. Man sieht sich als Herzstück der Polizei. Vom neu eingeführten Digitalfunk erhofft sich Wolff eine noch präzisere Arbeit. Drei Direktionen seien bereits vollständig mit den Geräten ausgestattet, in der Direktion Ost fehlten noch einige Streifenwagen. Im Juli soll das Netz vollständig in Betrieb gehen. Schwachstellen habe es noch nicht gegeben, sagt er.

Ein störungsfreies Funknetz ist auch erforderlich, damit die Fusion beider Leitstellen gelingt. Bis Sommer 2015 soll dieser Schritt abgeschlossen sein, alleiniger Standort wird Potsdam. Preuß berichtet, dass dazu neue Technik angeschafft wird. Drei zusätzliche Mitarbeiter sollen dort arbeiten. Gesucht werde auf freiwilliger Basis. „Denn die psychischen Anforderungen sind groß.“


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