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25. September 2017 | 04:44 Uhr

Helfer wachen über Schutzwälle

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2013 | 11:08 Uhr

Stiepelse | Lange Tage am Deich erlebt derzeit Anton Giesel. Den 67-Jährigen, dessen Wiege einst in Querfurt im Harzvorland stand, spülte vor 20 Jahren die Liebe nach Stiepelse, wo er blieb und Land und Leute schätzen lernte.

"Im Deichschutz engagiere ich mich jetzt seit über 13 Jahren. Ich war früher schon in unserer Ortswehr Mitglied. Ich wohne hier, also ist es für mich auch selbstverständlich, zu helfen und mich einzubringen. Das gehört für mich dazu", sagt Giesel im Brustton tiefster Überzeugung. 12,40 Meter seien in Stiepelse gemessen worden, so viel wie noch nie. "Mich wundert auch, dass alle Welt von einem Jahrhunderthochwasser spricht und das Jahr 2002 meint. Was wir hier 2013 erleben, war so noch nie. Jetzt sinkt das Wasser zum Glück langsam wieder", betont der Wahl-Stiepelseer, der auch am Wochenende keine Zeit zum Ausruhen hatte. Dass das Hochwasser an der Elbe allmählich immer höher werde, beunruhige ihn schon, gesteht der Deichgeschworene im SVZ-Gespräch in der Deichwache, die im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht ist. "Deichwache ist Pflicht, das ist schon seit dem 18. Jahrhundert so", betont Giesel.

Bereits seit Dienstag letzter Woche sind die Deichläufer im Amt Neuhaus unterwegs. Sie sind die wichtigste Grundlage für die Deichverteidigung. In jeder Schicht, davon gibt es zwei, laufen allein in Stiepelse zehn Leute den Deich entlang. Rund 6,4 Kilometer vom Ortsende in Richtung Viehle. Immer zu zweit, acht Stunden am Tag und neun Stunden in der Nacht. "Dafür braucht man etwa zweieinhalb bis drei Stunden, denn der Deich muss von der Wasserseite aus, am Fuß und auf der Krone kontrolliert werden", erklärt Brigitte Schöber. Die 45-Jährige stammt aus Stiepelse. Auch für sie ist eine Selbstverständlichkeit, sich zur Deichwache zu melden. Zusammen mit ihrer Tochter Viktoria, die 22 Jahre jung ist, schaut sie nach Sickerstellen, Wühlmauslöchern und abgerutschten Abschnitten im Schutzwall. Hört auf Geplätscher. Meldet Beschädigungen, holt Treibgut aus der Elbe oder sorgt dafür, dass große Teile wie Bäume nicht unentdeckt bleiben. Die holt dann der Deichverband oder die DLRG aus dem Wasser.

"Wir haben Stöcker mit orangefarbenen Spitzen. Mit ihnen markieren wir die Schadstellen und leiten die Entdeckungen auch weiter an die Deichwache", berichtet Petra Stüve. Die 50-Jährige hat 1983 in das heutige 84-Seelen-Dorf eingeheiratet. "Ich bin seitdem auch Mitglied der Feuerwehr Neu Garge/Stiepelse. Deichwachen sind für etwas, worüber wir kein großes Aufheben machen müssen, weil sie für mich selbstverständlich sind. Da brauche ich nicht extra gefragt werden. Wir nehmen auch immer die Jugendfeuerwehr mit, damit sie schon Erfahrungen sammeln kann für künftige Hochwasser. Und die werden kommen, da bin ich mir ziemlich sicher."

Hunderttausende Sandsäcke haben die unzähligen Helfer in den letzten Tagen in der hochgefährdeten Elbgemeinde im Amt Neuhaus verbaut. Die 46 Kilometer Deich im Amt Neuhaus sind in 12 Wachbezirke aufgeteilt, die Stiepelser sind Bezirk acht - Elbkilometer 35,7 bis 49,8. Dass die Arbeitgeber in der Region ohne zu murren, viele Fluthelfer freigestellt habe, ist Anton Giesel eine besondere Erwähnung wert. "Unser Dank geht an alle Helfer, die sich Tag und Nacht engagieren, damit wir hier nicht absaufen. Wir können jetzt nur noch hoffen, dass das Wasser nicht mehr so lange steht, sondern schnell abfließt."

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